Finanzkrise: Ackermann fordert mehr staatliche Kontrolle
zuletzt aktualisiert: 18.03.2008 - 10:05Berlin (RPO). Die internationale Finanzwelt blickt gespannt auf die USA, wo die Notenbank heute über eine mögliche Senkung des Leitzinses entscheidet. Unterdessen diskutieren Experten über mögliche Auswege aus der weltweiten Krise. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann macht jetzt einen überraschenden Vorschlag. Er fordert die Regierungen auf, den Finanzmarkt stärker zu regulieren. Offenbar glaubt er nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes.
Konkret fordert Ackermann eine globale Regulierungsbehörde. "Global operierende Banken brauchen global operierende Aufsichtsbehörden", sagte Ackermann am Montagabend während einer Podiumsdiskussion in Frankfurt. Seiner Ansicht nach findet an den Finanzmärkten derzeit eine "radikale Korrektur" nach einer Spekulationsblase statt. Die Schlüsselrolle spielt seiner Ansicht nach der US-Immobilienmarkt. Ein "Rat der Weisen" sollte künftig frühzeitig vor neuen Spekulationsblasen an den Finanzmärkten warnen.
"Kein Liquiditätsengpass"
Laut Ackermann wird die globale Finanzkrise durch eine zu geringe Investitionsbereitschaft verstärkt. "Es gibt keinen Liquiditätsengpass, sondern einen Investorenstreik." Auch wirke sich die Bewertung von Wertpapieren zu Marktpreisen negativ aus, sagte Ackermann mit Blick auf die Pflicht von Finanzdienstleistern, ihren Wertpapierbestand zu einem Stichtag in der Bilanz bewerten zu müssen. Angesichts der ausgetrockneten Märkte bei verschiedenen Finanzprodukten müssen viele Banken deshalb hohe Verluste abschreiben.
Nach Ansicht von Ackermann kann die Finanzmarktkrise nur mit Hilfe der Notenbanken eingedämmt werden. Die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank hätten zwar bereits mehr Liquidität bereitgestellt. Aber es seien weitere Schritte nötig, um die Liquidität zu verstetigen. "Ich glaube nicht an die Selbstheilungskräfte des Marktes", sagte Ackermann.
Auch der Chefvolkswirt des Allianzkonzern, Michael Heise, rechnet mit handfesten Konsequenzen. "Wir müssen damit rechnen, dass eine nachhaltige Bereinigung und Konsolidierung im Finanzsystem stattfindet", sagte Heise der "Berliner Zeitung" unter Verweis auf den Notverkauf des schwer angeschlagenen US-Investmenthauses Bear Stearns. Die Marktstrukturen würden sich verändern.
Notwendige Korrektur
"Es wird zur Rückabwicklung vor allem spekulativer, kreditfinanzierter Investments kommen", sagte Heise. "Die Kredithebel, die im Finanzsystem in den letzten Jahren entstanden sind, werden gewaltig zurückgefahren. Das ist eine notwendige Korrektur", sagte er. Dieser Prozess werde länger dauern. Die Korrektur sei noch nicht zu Ende. Heise bewertete das Vorgehen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) als richtig.
"Die Fed hat klare Signale gesetzt, dass sie keine Situation entstehen lassen will, bei der aus einer Vertrauenskrise eine Panik wird", sagte er. Um die Krise zu bewältigen, wäre es nach seiner Auffassung wichtig, dass staatlich koordiniert eine Auffangregelung bezüglich der zweitklassigen US-Immobilienkredite gefunden wird, möglichst ohne Einsatz von Steuermitteln. Solange die Unsicherheit groß sei, werde es schwer, die Krise nur mittels der Geldpolitik zu meistern.
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