Hauptversammlung der Deutschen Bank: Ackermann verteidigt Finanzwirtschaft
zuletzt aktualisiert: 27.05.2010 - 15:43Frankfurt/Main (RPO). Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat die Finanzwirtschaft gegen Angriffe aus der Politik verteidigt. Auf der Hauptversammlung am Donnerstag wies der Vorstandsvorsitzende die Kritik an der Branche im Zusammenhang mit der Euro-Schwäche und den schwankenden Aktienmärkten zurück.
Zugleich bezeichnete er die Konjunkturaussichten als weiterhin unsicher. Die Weltwirtschaft bleibe anfällig für Erschütterungen und es sei immer noch unklar, welche Regularien letztlich durchgesetzt werden, sagte er. Dennoch halte die Bank an ihren Prognosen fest. Oberste Priorität habe dabei die Stärkung der Kapitalbasis.
Ackermann zufolge müssten Politik und Banken an einem Strang ziehen, um die Krise in den Griff zu bekommen. "Verbalattacken auf sogenannte 'Spekulanten' und Politik-Rhetorik, die von einem 'Krieg' zwischen Märkten und Staaten spricht, sind einem solchen Dialog nicht zuträglich und nicht zielführend", kritisierte er.
Überbringer schlechter Nachrichten
Die Märkte seien Signalsysteme und in Sachen Griechenland und Euro die Überbringer schlechter Nachrichten. Für die Akteure, die diese Signale auslösen, könnten die Märkte nicht verantwortlich gemacht werden, betonte der Schweizer.
Politiker hatten wiederholt Marktakteure wie Hedge-Fonds als Verursacher der Finanzkrise und Wetten gegen Märkte und Staaten als Grund für die derzeitigen Krisen ausgemacht. Probleme sieht Ackermann vor allem im Bereich der Staatsfinanzen und Länderrisiken sowie der Stabilität des Euros.
Das Ziel einer Stärkung der Kapitalbasis begründete er damit, dass sich auch andere auf höhere Eigenkapitalanforderungen einstellten, mit denen Aufsichtsbehörden und Politik die Institute stabiler machen wollen. Allerdings warnte Ackermann erneut vor einer Überregulierung der Finanzinstitute. Dies treffe am Ende die Wirtschaft, sagte er. "Ohne das Kapital der Banken oder der Märkte stockt der Blutkreislauf der Wirtschaft."
Die bessere Kapitalausstattung der Deutschen Bank werde jedoch nicht zulasten der Kreditvergabe erfolgen, versicherte Ackermann. Vielmehr will das Finanzinstitut wieder mehr Geld an den Mittelstand verleihen, für den es in der Finanzkrise häufig schwierig sei, Kredite zu erhalten.
Ackermann will eine Milliarde Euro sparen
Bereits Ende 2009 hatte Ackermann dazu auf dem Konjunkturgipfel der Bundesregierung einen Mittelstandsfonds angekündigt und dessen Volumen später auf 500 Millionen Euro beziffert. Laut "Financial Times Deutschland" (Donnerstagausgabe) planen auch die teilstaatliche Commerzbank und die staatliche Förderbank KfW einen eigenen Fonds für den deutschen Mittelstand, der ein Volumen von 300 Millionen bis 500 Millionen Euro umfassen soll.
Trotz der zahlreichen Unsicherheiten rechnet Ackermann weiter damit, dass die Bank 2011 ein Ergebnis vor Steuern aus dem operativen Geschäft von zehn Milliarden Euro erzielt. Zudem soll die Aufwands- und Ertragsrelation von 72 auf 65 Prozent sinken.
Dazu will der Bankchef bis 2011 eine Milliarde Euro sparen. Im vergangenen Jahr hatte die Bank - getrieben von einem starken Investmentbanking - einen Milliardengewinn erzielt. Den Aktionären will die Bank für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 75 Cent zahlen, 25 Cent mehr als im Jahr zuvor.
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