Einstieg bei Sal. Oppenheim: Ackermann will das Geld der feinen Leute
zuletzt aktualisiert: 05.08.2009 - 13:21Frankfurt (RPO). Die Deutsche Bank steht vor dem Einstieg bei Sal. Oppenheim. Josef Ackermann vollzieht damit einen Strategiewechsel. Er will die weniger krisenanfälligen Geschäftsfelder ausbauen. Dazu ist seine Bank bereits bei der Postbank eingestiegen, um das Massengeschäft zu stärken. Jetzt will Ackermann an das Geld der feinen Privatkunden kommen.
Mit der Übernahme der BHF-Bank hat sich Sal. Oppenheim erst vor einigen Jahren an die Spitze der europäischen Privatinstitute katapultiert. Das 1789 gegründete Haus gilt als Bank der Reichen, insbesondere alteingessene Unternehmerfamilien legen ihr Geld hier an. Die vermögende Kundschaft schätze den Dreiklang aus Vertrauen, Diskretion und Glaubwürdigkeit, sagte Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter, vergangenes Jahr in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP.
Musterbeispiel stiller und effizienter Geldvermehrung
Lange Zeit galt Sal. Oppenheim, eine der letzten unabhängigen Privatbanken, als Musterbeispiel stiller und effizienter Geldvermehrung. Doch die Finanzmarktkrise erwischte auch die Traditionsbank, die ihre Zentrale vor zwei Jahren von Köln nach Luxemburg verlegte. Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Bank für 2008 einen Verlust von 117 Millionen Euro ausweisen.
Zudem sahen sich die Banker wegen der lange Zeit lukrativen Geschäfte der Oppenheim-Esch-Fonds ins grelle Licht der Medien gezerrt. Und: Beteiligungen brachten zuletzt wenig Glück. Egal ob IKB-Pleite, Arcandor-Insolvenz, IVG-Krise oder der Zusammenbruch von Lehman Brothers – immer gehörte Sal. Oppenheim zu denen, die Geld verloren.
Auch sonst lief zuletzt nicht alles rund. In den vergangenen Jahren hatte auch Oppenheim auf das lukrative, aber risikoreiche Geschäft mit komplexen Zertifikaten gesetzt. Als nach der Lehman-Pleite dieser Markt einbrach, zahlte auch Oppenheim die Zeche. Im Handelsergebnis wies das Bankhaus 2008 einen Verlust von fast 300 Millionen Euro aus.
Deutsche-Bank-Einstieg erscheint Beobachtern schlüssig
Inzwischen hat die Bank Konsequenzen gezogen. Um weitere Belastungen der Bank durch die Wertverluste bei Arcandor und IVG in Zukunft auszuschließen, haben die Oppenheim-Gesellschafter die Beteiligungen inzwischen zusammen mit den Private-Equity-Aktivitäten der Bank an eine von den Oppenheim-Eigentümern neu gegründete Gesellschaft verkauft. Das Derivate-Geschäft wurde drastisch zurückgefahren. Dank der Sanierungsbemühungen erwartet die Bank 2009 zumindest operativ wieder schwarze Zahlen. Doch ist nicht ausgeschlossen, dass unter dem Strich wieder ein Verlust verkraftet werden muss.
Vor rund vier Wochen wurde dann in Medien spekuliert, Oppenheim werde möglicherweise Staatshilfe benötigen. Das wies der persönlich haftende Gesellschafter Friedrich Carl Janssen damals im "Handelsblatt"-Gespräch allerdings zurück. Die Bank werde ohne staatliche Hilfe durch die Krise kommen, betonte er. Doch die Stimmung beim Traditionshaus war offenkundig schlecht, denn von Krockow sagte dem "Handelsblatt" zur Verfassung der Finanzmärkte, es sei wie bei einer "Achterbahnfahrt im Dunkeln nach unten. Die Lichter, die wir sehen, sind nur die Lichter, die die Richtung weiter nach unten anzeigen".
Der geplante Einstieg der Deutschen Bank erscheint Beobachtern nun nachvollziehbar. So schreibt die "Börsenzeitung" am (heutigen) Mittwoch, eine solche Verbindung sei durchaus schlüssig, "zumal beide Institute als eng miteinander befreundet gelten. Sie haben bei zahlreichen strategischen Transaktionen zusammengearbeitet".
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