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Gesundheitsreform: Ärzte-Chef: Jeder vierten Praxis droht das Aus

VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 11.10.2010 - 07:19

Berlin (RP). Versicherte sollen die Arztrechnung künftig selbst begleichen und bei der Kasse einreichen. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, rechnet damit, dass dann in Deutschland zahlreiche Arztpraxen schließen müssen. "Ich gehe davon aus, dass sich bei flächendeckender Kostenerstattung die Zahl der Arztpraxen um rund 25 Prozent reduzieren wird", sagte Köhler unserer Redaktion.

Kostenerstattung bedeutet, dass gesetzlich Krankenversicherte ihre Arztrechnung selbst zahlen und sie bei ihrer Kasse zur Erstattung einreichen. Bereits heute können Kassenpatienten die Kostenerstattung wählen. Sie ist aus Sicht der Versicherten aber unattraktiv, weil die Patienten bislang auf einem Großteil der Rechnung sitzen bleiben. Das liegt daran, dass die Ärzte bei der Kostenerstattung den Satz für Privatpatienten abrechnen, die Krankenkassen aber nur ihren Kassen-Satz zahlen.

Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will das Prinzip der Kostenerstattung für Versicherte künftig attraktiver gestalten. Der Eigenanteil, den die Patienten tragen müssen, soll geringer werden. Nach den bisherigen Plänen soll es weiterhin eine freie Entscheidung bleiben, ob Versicherte die Kostenerstattung wählen oder ob sie weiter alles über ihre Chipkarte laufen lassen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung drängt darauf, das Prinzip flächendeckend einzuführen. "Bislang lastet die Kostensteuerung immer auf dem Arzt. Ich halte es aber für notwendig, dass auch der Versicherte Eigenverantwortung übernimmt", sagte Köhler im Interview mit unserer Redaktion. Dies setze voraus, dass die Patienten wüssten, was sie an Kosten verursachten und einen "gewissen Prozentsatz an Eigenbeteiligung" übernähmen. Köhler wies auch darauf hin, dass die Eigenbeteiligung ähnlich wie die Zusatzbeiträge der Krankenkassen sozial abgefedert werden müsse.

Der Kassenärzte-Chef verspricht sich von der Kostenerstattung den Effekt, dass bei den Versicherten das Bewusstsein für die Gesundheitskosten wächst und sich die Zahl der Arztbesuche um 20 bis 25 Prozent reduziert. Auch die Ärzte sieht Köhler dann stärker gefordert: "Die Einführung der Kostenerstattung bedeutet auch, dass es mehr Wettbewerb unter den Ärzten geben wird. Wenn sich die Zahl der Arztbesuche reduziert, müssen die Mediziner stärker um ihre Versicherten werben." Im Zuge eines solchen neuen Wettbewerbs wird die Zahl der Arztpraxen aus Sicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sinken.

Quelle: RP

 
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