Finanznot im Gesundheitssystem: Ärzte fordern fünf Euro pro Besuch
zuletzt aktualisiert: 28.06.2010 - 20:14Berlin (RP/RPO). Der Verband der deutschen Kassenärzte fordert eine radikale Reform der Praxisgebühr. Demnach sollen Kassenpatienten bei jedem Arztbesuch eine Gebühr von fünf Euro zahlen. Bislang müssen Kassenpatienten einmal im Quartal eine Gebühr von zehn Euro zahlen, Überweisungen an andere Ärzte sind kostenfrei.
Fünf Euro pro Arztbesuch - Andreas Köhler, Chef der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sagte am Montag in Berlin, dafür gebe es unter den Kassenärzten eine stabile Mehrheit. Köhler begründete seinen Vorstoß damit, dass die Deutschen zu oft – im Schnitt 18 Mal pro Jahr – zum Arzt gehen und viele Untersuchungen doppelt machen lassen. Genau dies hatte die Praxisgebühr eigentlich verhindern sollen, sich aber in dieser Hinsicht als wirkungslos erwiesen. Zudem zahlen nur noch 28 Prozent der Kassenpatienten die Gebühr, alle anderen sind befreit.
Bereits 2009 hatte Leonhard Hansen, früher Chef der KV Nordrhein, eine Praxisgebühr von fünf Euro in Verbindung mit Obergrenzen und Ausnahmen für chronisch Kranke gefordert. Nun taucht die Idee wieder auf, weil Krankenkassen dringend nach neuen Einnahmequellen suchen. Gesundheitsminister Philipp Rösler will daher auch den Ärzten eine Nullrunde verordnen. Der Vorschlag, die Patienten künftig bei jedem Arztbesuch zur Kasse zu bitten, ist eine Antwort darauf. Auch in den Reihen der Union soll der Gedanke Befürworter finden, ebenso bei den Arbeitgeberverbänden.
Als Steuerungselement hat die Praxisgebühr offenkundig versagt. Im Jahr 2009 gingen die gesetzlich Versicherten durchschnittlich 18mal zum Doktor. Abschaffen wollten die Krankenkassen die Gebühr bislang allerdings nicht. Sie spült jährlich 1,9 Milliarden Euro ins System.
Das Gesundheitssystem muss im kommenden Jahr ein riesiges Defizit ausgleichen. Rund elf Milliarden Euro beträgt im kommenden Jahr das Defizit im Gesundheitswesen. Zahlreichen Krankenkassen droht der Kollaps. Die Gesundheitsexperten der schwarz-gelben Regierungskoalition beraten fieberhaft über Auswege aus der Misere. Vier Millionen hatten die Politiker eigentlich durch Einsparungen einberechnet – unter anderem finanziert durch eine Nullrunde bei den Kassenärzten.
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