Streit über Honorar-Verteilung: Ärzte klagen für höheres Gehalt
zuletzt aktualisiert: 01.09.2010 - 08:10Düsseldorf (RP). Die niedergelassenen Ärzte in Nordrhein sind bei der bundesweiten Verteilung der Honorare schlecht weggekommen. Nun wollen sie vor Gericht eine höhere Bezahlung durchsetzen.
Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KV) reichte daher beim Sozialgericht Berlin Klage gegen die Kassenärztliche Bundesvereinigung und den Spitzenverband der Krankenkassen ein. Die beiden sind Träger des Bewertungsausschusses, der über die Honorarverteilung entschieden hat.
"Das gegenwärtige Honorarsystem ist ungerecht und muss ersetzt werden", sagte KV-Vorstand Peter Potthoff. Nordrhein werde willkürlich gegenüber anderen Regionen benachteiligt. In der Tat erhalten die Ärzte in Nordrhein für die gleiche Arbeit weniger Geld als ihre Kollegen in anderen Bundesländern: So bekommt ein Hausarzt hier pro Kassenpatient im Quartal 29,18 Euro (Regelleistungen).
Der Hausarzt in Baden-Württemberg erhält dagegen 41,36 Euro. Noch mehr bekommen die Hausärzte im Osten: Spitzenreiter ist Thüringen mit 47,02 Euro. Ähnliche Unterschiede gibt es auch bei anderen Facharzt-Gruppen. Zwar erzielen Ärzte über freie Leistungen und Privatpatienten weitere Einnahmen, doch Basis ihres Einkommens ist die Grundversorgung der Kassenpatienten. Und an die Vor-Steuer-Umsätze der Ärzte bundesweit (Allgemeinmediziner: 200 000 Euro pro Jahr) kommen die Nordrheiner in der Regel ohnehin nicht heran.
Bereits bei der Honorarverteilung 2009 war Nordrhein schlecht weggekommen. Die Reform der Reform zum Juli 2010 hat aus Sicht der KV alles noch schlimmer gemacht. Sie verweist darauf, dass die Umsätze im dritten Quartal 2010 etwa bei Frauenärzten um 24 Prozent gegenüber 2008 zu sinken drohen, bei Urologen um 22 und bei Orthopäden um 15 Prozent.
Der Chef der AOK Rheinland/ Hamburg, Wilfried Jacobs, gibt der Klage wenig Chancen: "Der Showeffekt ist größer als das, was am Ende heraus kommen wird", sagte Jacobs unserer Zeitung. Zugleich betonte er: "Die Ärzte klagen auf hohem Niveau." Von 2008 auf 2009 seien die Honorare in Nordrhein schließlich um 6,5 Prozent gestiegen. Der Spitzenverband der Krankenkassen wollte die Klage nicht kommentieren, sie läge ihm noch nicht vor. Kommentar
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