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Patientenverbände haben Bedenken: Ärzte sollen Billig-Arznei verschreiben

VON EVA QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 20.07.2009 - 21:19

Berlin (RP). Patienten sollen künftig auch Arzneien erhalten können, die für ihre spezielle Krankheit nicht offiziell zugelassen sind. Schon heute sind Apotheker verpflichtet, den Patienten das kostengünstigste Präparat zu geben. Voraussetzung: Es muss den gleichen Wirkstoff und die Zulassung für die gleichen Krankheiten haben wie das Präparat, das der Arzt aufgeschrieben hat. Pharmaindustrie und Patientenverbände haben dagegen erhebliche Bedenken.

Die Neuregelung soll in einem Vertrag zwischen Apotheken und Krankenkassen festgezurrt werden: Die Apotheker sollen auch dann ein billiges Medikament über den Verkaufstisch reichen, wenn es zwar den gleichen Wirkstoff hat, aber nicht unbedingt für die gleichen Krankheiten zugelassen ist wie das teurere Original.

Die Konsequenz, dass ein Patient dann Pillen gegen eine Krankheit schlucken soll, die er nicht im Beipackzettel findet, hält der Chef der AOK-Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs, für eine „Ausnahme”.

Patientenverbände und Pharmaindustrie laufen gegen die angestrebte Neuregelung allerdings Sturm. „Das ist eine weitere Entmündigung der Patienten und Ärzte”, sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten, Arnim Candidus.

Die Pharmaverbände sehen in der geplanten Neuregelung einen Verstoß gegen das Sozialrecht. Damit werde die „Kosteneffizienz in unzulässiger Weise über die Therapiesicherheit gestellt.”

Rechtliche Bedenken gibt es ebenfalls beim Spitzenverband der Krankenkassen. Er drängt darauf, auch das Gesetz zu ändern, wenn die Praxis der Medikamentenabgabe geändert wird.

Von ärztlicher Seite gibt es nur wenige Einwände: „Eine solche Regelung könnte Patienten verunsichern”, sagt Ursula Gundert-Remy, stellvertretende Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Bundesärztekammer.

Dies seien allerdings Einzelfälle. Sie hält die Entwicklung, die Krankenkassen und Gesundheitsministerium anstreben, für „unausweichlich”. Die Arzneimittelexpertin mahnte allerdings auch bessere Patienteninformationen an.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung will die Last der Verantwortung für das konkrete Präparat gänzlich von den Ärzten nehmen. In der Regel solle der Arzt nur noch den Wirkstoff verordnen, während die Verantwortung für die Kosten bei Kassen, Pharmaindustrie und Apotheken liegen solle.

Quelle: RP

 
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