AOK-Chef steigt in Gesundheitsstreit ein: Ärzte sollen für mehr Sprechzeit bezahlt werden
zuletzt aktualisiert: 26.05.2009 - 07:39Düsseldorf (RP). Für eine persönliche, individuelle Behandlung ihrer Patienten sollen Ärzte nach Ansicht des Chefs der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs, besser honoriert werden. Zukunftsorientierte Vergütungssysteme müssten so angelegt sein, dass die Patientenzuwendung besser honoriert und Amortisierungstendenzen medizinischer Technik "deutlich eingeschränkt" würden, sagte Jacobs unserer Redaktion.
Ein Arzt sollte allein schon für die Ausweitung seiner Sprechstundenzeiten, zum Beispiel auf den Mittwochnachmittag oder auf den Samstagvormittag, ein höheres Honorar erhalten, betonte Jacobs.
Die Forderung von Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe nach einer Rangliste medizinischer Leistungen wies Jacobs scharf zurück: "Regelmäßig verkündet Hoppe die Notwendigkeit von Leistungsbegrenzungen in der gesetzlichen Krankenversicherung nach dem Muster: Fließt Blut, zahlt die Kasse; war Diabetes auf Pommes mit Mayonnaise zurückzuführen, liegt Eigenverschulden vor, der Patient zahlt selbst." Jacobs nannte die Vorstellung "grauenhaft", wonach Krankenkassen in die Rolle des "Lebensstilüberwachers" gerieten. "Von der Bürokratie, die so etwas auslöst, ganz zu schweigen."
Die Frage, wie bei ärztlichen Leistungen gespart werden kann, ist in der vergangenen Woche heiß diskutiert worden. Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Leonhard Hansen, hatte vorgeschlagen, durch eine höhere und neu gestaffelte Praxisgebühr überflüssige Arztbesuche zu verhindern. Auch diesen Vorstoß kritisierte Jacobs: "Die Patienten, die ohnehin schon extrem hohe Krankenkassenbeiträge und Zuzahlungen aufbringen müssen, weiter abzukassieren, ist der falsche Weg."
Die Krankenkassenlandschaft sieht der AOK-Chef im Umbruch. "Es ist völliger Unsinn, dass wir uns in Deutschland fast 200 Krankenkassen leisten." Teilweise hätten diese Kassen nicht mehr als 10 000 Versicherte. Jede dieser Kassen halte eine Infrastruktur vor, die zusätzliche Kosten verursache. "Unter 200 000 Versicherte sollte es künftig keine Krankenkasse mehr geben dürfen", betonte Jacobs. Die aktuelle Entwicklung, wonach Kassen verstärkt fusionieren, bezeichnete er als "richtig".
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