Fluggesellschaft in Turbulenzen: Air-Berlin-Chef Joachim Hunold wirft hin
zuletzt aktualisiert: 18.08.2011 - 10:33Berlin (RPO). Paukenschlag bei Deutschlands zweitgrößter Airline: Wie das Unternehmen am Donnerstag bekanntgab, wird Airline-Gründer Joachim Hunold zum 1. September 2011 seinen Rücktritt anbieten. Als Interimschef soll der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn einspringen. Zuvor hatte Air Berlin angekündigt, das Streckennetz deutlich auszudünnen.
Hunold wolle der Gesellschaft weiterhin als Non-Executive Director verbunden bleiben und schlägt als seinen interimistischen Nachfolger als CEO Hartmut Mehdorn vor, der bereits Mitglied des Board of Directors der Gesellschaft ist. Dies teilte Air Berlin am Donnerstag in einer Adhoc-Meldung mit.
Der heute 61-jährige Hunold hatte Air Berlin 1991 gegründet und in den Folgejahren zur zweitgrößten Fluggesellschaft aufgebaut.
Die Air-Berlin-Aktie drehte nach Hunolds Ankündigung ins Plus und legte binnen Minuten um 4,4 Prozent zu. Air Berlin hatte nach Jahren der Expansion und hohen Verlusten zuvor beschlossen, sein Streckennetz auszudünnen.
"Um profitabel zu werden, müssen wir Einschnitte in unser Streckennetz und in unserer Flotte vornehmen", sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold am Donnerstag.
Unrentable Verbindungen wie die von Frankfurt nach Hamburg oder Stuttgart-St. Petersburg sollen wegfallen. In erster Linie betreffe das Sparprogramm aber kleinere Flughäfen wie Münster/Osnabrück, Köln/Bonn oder Paderborn, von den künftig weniger Air-Berlin-Maschinen starten.
Erfurt fällt komplett aus dem Streckennetz.
Verkleinerung der Flotte
Gleichzeitig wird die Flotte um acht Flugzeuge verkleinert. Gegenüber der bisherigen Planungen will die Airline ihre Kapazitäten damit um fünf Prozent reduzieren - 2012 sollen gut 16.000 Flüge und rund 2,2 Millionen Sitzplätze wegfallen. Air Berlin will sich auf stark frequentierte Strecken und seine vier europäischen Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Wien und Palma de Mallorca konzentrieren.
Vor allem die beiden deutschen Airports sind wichtig - von ihnen bietet die Fluglinie Langstreckenflüge an. Zubringerflüge aus Deutschland und Europa sollen dafür sorgen, dass die großen Interkontinental-Maschinen dort auch voll werden. "Unsere Drehkreuze funktionieren bereits, und wir bauen sie weiter aus", sagte Hunold.
Keine Besserung in Sicht
Schwarze Zahlen sind trotz der Maßnahmen nicht in Sicht: Im laufenden Geschäftsjahr werde Air Berlin operativ "wohl noch nicht in die Gewinnzone zurückkommen", sagte Hunold. Für die Turbulenzen macht Deutschlands zweitgrößte Airline nach der Lufthansa den hohen Ölpreis, die neue Luftverkehrssteuer und die Unruhen in Nordafrika verantwortlich.
Nach Einschätzung von LBBW-Analyst Per-Ola Hellgren haben diese Faktoren das Geschäftsmodell der Airline zerstört. Das vorgestellte Programm erscheine auf den ersten Blick vernünftig, jedoch müsse abgewartet werden, wie es sich auswirke.
Air Berlin hatte im zweiten Quartal einen Fehlbetrag von 32 Millionen Euro nach 28 Millionen Euro Verlust ein Jahr zuvor eingeflogen. Gleichzeitig stieg der Schuldenstand bis Ende Juni auf 616 Millionen Euro von 493 Millionen Euro.
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