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Air Berlin
Bonusfirma ist insolvent – das sind die Folgen für Kunden

Air Berlin: Jetzt ist auch die Bonusfirma Topbonus Ltd. insolvent
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Berlin. Freiflüge und Einkaufsgutscheine sind für 4,3 Millionen Kunden von Air Berlin erst einmal Geschichte – die Prämienfirma ist zahlungsunfähig. Was bedeutet das für Verbraucher? Wir beantworten die die wichtigsten Fragen. Von Reinhard Kowalewsky

Die Krise bei Air Berlin verschärft sich: Nachdem das Unternehmen am 15. August Insolvenz anmeldete und darum beispielsweise Erstattungen für davor ausgefallene Flüge nicht mehr zahlt, sind nun auch die gesammelten Prämienmeilen von 4,3 Millionen Teilnehmern des Bonus-Programmes praktisch wertlos. Die dafür zuständige Firma Topbonus Ltd. meldete am Freitag Insolvenz an. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu den Prämienmeilen und zu Air Berlin.

Was bedeutet die Insolvenz? Topbonus erklärt, das Sammeln und Einlösen von Prämien bleibe "weiterhin ausgesetzt". Die Firma hatte sich bereits ab dem 19. August geweigert, Prämien einzulösen. Insider bei Air Berlin erklärten sich dies damals mit der Sorge, dass die Prämienfirma finanziell ausblutet, wenn zu schnell viele Kunden viele angesparte Meilen beispielsweise bei externen Partnern wie Amazon oder Ikea einlösen.

Was verwundert an der Insolvenz? Topbonus gehört zu 70 Prozent der arabischen Airline Etihad und nur zu 30 Prozent Air Berlin. Das Unternehmen erklärt ausdrücklich, es sei "ein eigenständiges Unternehmen". Dies hätte eigentlich bedeuten müssen, dass für angesparte Prämienansprüche Rücklagen bei der Londoner Firma gebildet werden. Doch genau dies ist offensichtlich nicht geschehen. Der Experte Mark Wolter vom Internetportal "Meilenoptimieren" erklärt den Verschiebebahnhof: "Topbonus hat Meilen an Air Berlin verkauft, die diese an Passagiere vergeben konnte. Diese Meilen wurden jedoch nicht direkt von Air Berlin mit Geld bezahlt. Stattdessen verbuchte Topbonus Forderungen gegenüber Air Berlin, in der Annahme, dass diese Forderungen mit künftigen Air-Berlin-Prämienflügen verrechnet werden würden. Das ist aufgrund der Insolvenz von Air Berlin nicht mehr möglich."

Sind die angesparten Meilen auf Dauer verloren? Das ist zu vermuten. Air Berlin erklärt auf Anfrage: "Wir bedauern, dass Mehrheitseigner Etihad das Topbonus Programm nicht weiter führt und damit das Meilensammeln und Meileneinlösen nicht mehr möglich ist." Insider von Air Berlin sagen, dass von einem dauerhaften Ende von Topbonus auszugehen sei. Etihad habe "den Stecker ebenso gezogen wie bei Air Berlin selbst". Topbonus selbst erklärt, man arbeite daran, "die Situation zu klären".

Können Kunden am Ende des Insolvenzverfahrens eine Teilzahlung erwarten? Eher nicht. Topbonus hat wohl alleine wegen des Geschäftsmodells keine Rücklagen gebildet. Zweitens muss eine britische Ltd. sowieso keine hohen Reserven haben. "Da wird wohl nichts zu holen sein", sagt Felix Methmann, Reisejurist beim Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin.

Sollte sich die Staatsanwaltschaft den Vorgang anschauen? Der Düsseldorfer Anwalt Julius Reiter von der Kanzlei Baum Reiter & Collegensagt: "Das ist schon sehr fragwürdig. Die Kunden glaubten, bei Topbonus als eigenständigem Unternehmen Ansprüche anzusparen und nachträglich stellt sich heraus, dass da wohl keine belastbaren Rücklagen aufgebaut wurden. Das sollte sich die Staatsanwaltschaft einmal anschauen, weil ein Verstoß gegen das Strafrecht vorliegen könnte."

Welche Chancen haben die Kunden von Air Berlin selbst, dass sie Erstattungen für bis zum 15. August ausgefallene Flüge oder für Verspätungen erhalten? Sehr niedrige. Denn das Unternehmen wird zuerst den 150 Millionen Euro hohen Überbrückungskredit der KfW zurückzahlen. Dann werden sich einige große Kreditgeber wie Etihad selbst wohl bevorzugte Rückzahlungen von Krediten gesichert haben. "Angesichts dieser Ansprüche glaube ich, dass Passagiere nur sehr kleine Chancen auf Geld haben",sagt Reisejurist Methmann.

Welche Ansprüche haben Kunden, die jetzt einen Flug buchen, falls er ausfällt? Einzahlungen für neue Flüge fließen auf ein Spezialkonto und gehören darum eigentlich nicht zur Insolvenzmasse. Diese Regelung gilt, um neues Vertrauen bei den Kunden aufzubauen und damit der Betrieb läuft. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann erklärt auch, dass bei Flugausfällen oder Verspätungen Entschädigungen "anfallen". Eine absolute Garantie einer Zahlung ist das aber nicht.

Quelle: RP
 
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