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Verhandlungen gescheitert
Keine Einigung auf große Auffanggesellschaft für Air Berlin

Air Berlin: Keine Einigung auf Auffanggesellschaft
Zwei Flugzeuge der Air Berlin auf dem Flughafen Tegel in Berlin (Symbolbild). FOTO: dpa, gam exa
Berlin. Tausende Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin stehen vor der Kündigung. Eine zunächst erhoffte große Auffanggesellschaft für bis zu 4000 Beschäftigte ist vom Tisch. Möglich ist aber noch eine kleine Variante für die Belegschaft in Berlin. 

Es wird keine große Auffanggesellschaft für bis zu 4000 Mitarbeiter der insolventen Air Berlin geben. Die drei beteiligten Bundesländer und die Bundesregierung hätten sich nicht auf eine solche Lösung verständigen können, sagte Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen am Mittwoch nach einem Treffen von Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern mit dem Bund.

Bayern habe kein Geld geben wollen, Nordrhein-Westfalen und der Bund nur in einem geringem Umfang. Kritik kam dazu umgehend von der Gewerkschaft Verdi. "Es ist völlig unverständlich, dass sich Erwerber und die Politik nicht dazu bereit gefunden haben, den Beschäftigten von Air Berlin unter die Arme zu greifen, weil sie keinen ausreichenden Beitrag für eine Auffanggesellschaft leisten wollen", sagte Verdi-Bundesvorstand Christine Behle.

Berlin werde aber eine "kleine Lösung" für die Berliner Beschäftigten unterstützen, sagte Kollatz-Ahnen. Auch Air Berlin drückte die Hoffnung aus, dass zumindest eine Lösung für die rund 1200 Mitarbeiter des Bodenpersonals gefunden wird. Dafür müsste das Land Berlin eine verbindliche Finanzierungszusage machen. Zuvor hatte auch die Zeitungen "Bild" und "B.Z." über die Ergebnisse des Treffens berichtet.

Bis zu 50 Millionen Euro notwendig

Bayern und auch die Lufthansa, die große Teile der Air Berlin übernehmen will, hatten eine finanzielle Beteiligung an einer Transfergesellschaft zuvor abgelehnt. Der Gläubigerausschuss von Air Berlin hätte bis zu 10 Millionen Euro bereitgestellt - bei einem angenommenen Finanzbedarf von bis zu 50 Millionen Euro.

In einer Transfergesellschaft werden Mitarbeiter vorübergehend freiwillig angestellt und in neue Jobs vermittelt. Sie bekommen dort weniger Geld als zuvor, müssen sich aber nicht arbeitslos melden und gewinnen Zeit für die Stellensuche.

Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert. Am Freitag stellt die Airline ihren eigenen Flugbetrieb endgültig ein. Im Air-Berlin-Konzern gibt es zurzeit rund 6800 Vollzeitstellen, die sich auf etwa 8000 Mitarbeiter verteilen.

Arbeitgeber werben um Air-Berlin-Mitarbeiter

Die Lufthansa will rund 3000 Mitarbeiter bei ihrer Tochter Eurowings einstellen: Rund die Hälfte davon wird mit den Air-Berlin-Töchtern Niki und LG Walter übernommen, auf die anderen Stellen müssen sich Ex-Air-Berliner bewerben. Das sorgt für Unmut bei Gewerkschaften, die große Gehaltseinbußen befürchten. Einige Flugbegleiter wollen auch gerichtlich gegen mögliche Kündigungen vorgehen.

Zu den Beschäftigten zählen neben Piloten und Flugbegleitern auch Verwaltungsangestellte. Auf Jobmessen hatten bereits mehrere Arbeitgeber um die Kollegen der Airline geworben, zum Beispiel die Bahn und die Berliner Verwaltung. Auch die Bundeswehr wirbt derzeit um Ex-Air-Berliner.

Personalvertretung von Air Berlin geht gegen Kündigungen vor

Die Personalvertretung der Kabine von Air Berlin geht derweil rechtlich gegen die Entlassung von Mitarbeitern vor. Wie das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg am Mittwoch mitteilte, will die Personalvertretung damit "Air Berlin untersagen lassen, Kündigungen auszusprechen und Flugzeuge aus dem Betrieb herauszunehmen". Dazu wurde demnach eine einstweilige Verfügung beantragt, zu der für den 2. November eine mündliche Anhörung anberaumt wurde.

Wie das Gericht weiter mitteilte, soll Air Berlin auf dem Rechtsweg auch dazu verpflichtet werden, sämtliche Gebote im Bieterverfahren für die insolvente Airline der Personalvertretung zur Einsichtnahme vorzulegen.

(wer/ate/lnw/afp/reu)
 
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