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Gläubigertreffen in Berlin
Lufthansa will große Teile von Air Berlin

Air Berlin: Lufthansa will große Teile der insolventen Fluggesellschaft übernehmen
Air-Berlin-Schalter am Flughafen Berlin-Tegel (Archiv). FOTO: dpa, kes fdt fux
Düsseldorf. Die insolvente Fluglinie Air Berlin wird vorerst als Ganzes weitergeführt, ihre Zerschlagung ist aber nur eine Frage der Zeit: Lufthansa schreibt bereits Stellen für die Übernahme von Mitarbeitern aus. Von Reinhard Kowalewsky

Die Lufthansa drückt aufs Tempo bei der Übernahme großer Teile der Fluglinie Air Berlin. Der deutsche Marktführer hat dem Gläubigerauschuss von Air Berlin am Mittwoch den Vorschlag gemacht, Niki, den österreichischen Ableger von Air Berlin, möglichst schnell zu kaufen. Der Berliner Carrier hätte dann neue Finanzmittel zusätzlich zum beantragten Überbrückungskredit des Bundes von 150 Millionen Euro.

Außerdem bestätigte Lufthansa gegenüber dem erstmals tagenden Gläubigerauschuss, große Teile des Flugbetriebs von Air Berlin für seinen Ableger Eurowings übernehmen zu wollen. "Die Lufthansa Group hat ihr Interesse am Erwerb von Teilen der Air Berlin Group mit einem Gesamtkonzept konkretisiert. In dem heute vorgestellten 'Termsheet' wurde das Interesse an einer Übernahme von Teilen der Air Berlin Gruppe bekräftigt", hieß es in einer Erklärung des Konzerns.

Air Berlin teilte nach dem Gläubigertreffen in Berlin mit, die Vertreter der Gläubiger hätten einstimmig erst einmal den Weiterbetrieb der Fluglinie beschlossen. "Unser Ziel ist es, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten", erklärte der Air-Berlin-Generalbevollmächtigte, Frank Kebekus.

Gewerkschaft kritisiert Stellenausschreibung

Gleichzeitig hat Eurowings am Mittwochabend neue Stellen für Piloten und Kabinenpersonal im Internet ausgeschrieben. Formal kann sich jeder auf die Jobs bewerben, doch im Kern geht es um die Übernahme Tausender Mitarbeiter von Air Berlin. Als erste Welle könnten die Crews von 38 Maschinen von Air Berlin eingestellt werden. Deren Jets fliegen ohnehin schon für Eurowings. Um den Betrieb zu sichern, müssten diese Flugzeuge schnell auf Eurowings übergehen.

Kritik kommt aus Gewerkschaftskreisen. "Diese Ausschreibung ist eine Frechheit", sagte Nicoley Baublies, Tarifvorstand der Flugbegleitergewerkschaft Ufo. "Anstatt die Kollegen gemeinsam zu übernehmen, will man nun gegenüber dem Einzelnen ein Tarifdiktat durchsetzen." Lufthansa erklärte dagegen, bereits abgeschlossene Tarifverträge anzuwenden. Berufserfahrung würde dabei beim künftigen Gehalt berücksichtigt.

Die weiteren Einstellungen hängen nun davon ab, welche Teile von Air Berlin wirklich bei Lufthansa landen. Als gesetzt gilt, dass die Langstreckenflotte von 17 Airbus A 330 bei Eurowings unterkommen wird. Damit wäre klar, dass die Strecken von Düsseldorf nach Miami, New York oder Fort Myers künftig unter der Marke Eurowings verkauft werden. Für die Langstrecke interessiert sich nur Eurowings, weil kein Wettbewerber genügend Zubringerflüge nach Düsseldorf und Berlin hat.

"Easyjet hat ein hohes Interesse an Düsseldorf"

Die große Frage ist nun, welche Betriebsteile und Strecken Lufthansa erhält und wo andere Wettbewerber möglicherweise den Zuschlag erhalten. Um höhere Preise durchzusetzen, lehnte der Gläubigerausschuss am Mittwoch erst einmal einen vorzeitigen Verkauf von Niki ab. Die Linie ist auch in Düsseldorf bei Ferienflügen nach Mallorca aktiv und gilt als sehr profitabel. Lufthansa und Eurowings werden aus Rücksicht auf das Kartellamt wohl nur einen Teil der Kurzstreckenflüge von Air Berlin übernehmen. Deshalb gilt es als gut möglich, dass Easyjet hier einspringt.

In Berlin ist Europas zweitgrößter Billigflieger schon aktiv und will expandieren, Düsseldorf würde ideal in die Strategie von Easyjet passen, wichtige Großstädte in Europa im Punkt-zu-Punkt-Verkehr zu verbinden. "Easyjet hat ein hohes Interesse an Düsseldorf", sagte ein Branchenkenner, "aber sie wollen für die entsprechenden Teile von Air Berlin nicht zuviel zahlen und pokern wohl."

Ein anderer Interessent für Teile von Air Berlin ist laut Insiderinfos Condor. Der Ferienflieger könnte gerade viele Europastrecken gut integrieren, aber auch einige Langstrecken könnten passen.

Quelle: RP
 
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