Nach Gewinneinbrüchen: Air Berlin senkt Prognose für 2008
zuletzt aktualisiert: 31.03.2008 - 17:44Berlin (RPO). Der Billigflieger Air Berlin befindet sich offenbar im finanziellen Sinkflug: 2007 brachen die Gewinne ein. Die Prognose für das laufende Jahr korrigierte die Fluggesellschaft daraufhin nach unten.
Der Gewinneinbruch ist laut Experten eine Folge der LTU-Übernahme. Da offenbar keine Besserung in Sicht ist, senkte Air Berlin die Prognose für 2008. Wegen gestiegener Treibstoffpreise werde das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) voraussichtlich zwischen 73 Millionen und 120 Millionen Euro liegen, wie Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer am Montag sagte. Zuvor waren 140 Millionen bis 160 Millionen Euro erwartet worden. Als Reaktion darauf stürzte die Aktie des Unternehmens um etwa 9 Prozent ab.
Für das laufende Jahr hat Air Berlin 74 Prozent seines Treibstoffbedarfs preislich abgesichert, zu 780 Dollar je Tonne. Ungesichert sind noch rund 300.000 Tonnen zu Jahresende, für die ein Preis von 845 Dollar im Schnitt erwartet wird. Falls der Sprit noch teurer werden sollte, schloss Air-Berlin-Chef Joachim Hunold eine Erhöhung des Treibstoffzuschlags nicht aus. Er wies darauf hin, dass die Preissteigerungen alle Fluglinien gleichermaßen beträfen.
Trotz anhaltender Unsicherheiten über die weitere Währungs- und Benzinpreisentwicklung setzt das Unternehmen für 2008 in seinem Geschäftsbericht auf eine "signifikante Ergebnisverbesserung" und sieht dafür ein Potenzial von 100 Millionen Euro. "Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, die Profitabilität zu steigern", betonte Hunold.
Es seien gezielte Kostensenkungsmaßnahmen eingeleitet und etwa unprofitable Strecken radikal gestrichen worden. Außerdem sollten unter anderem der Vertrieb effizienter und die Preisstrukturen von Air Berlin und LTU vereinheitlicht werden. Man könne mit den Ergebnissen 2007 nicht zufrieden sein, räumte Hunold ein. Die LTU-Übernahme bescherte Air Berlin ein "Wachstumsjahr mit Hindernissen", wie Hüttmeyer sagte. Schwierigkeiten bereiteten vor allem zeitliche Verzögerungen und technische Probleme bei der Integration des Düsseldorfer Charterfliegers. Daher belasteten Sondereffekte das Ergebnis um etwa 70 Millionen Euro.
Der Umsatz stieg 2007 um 61 Prozent von 1,58 auf 2,54 Milliarden Euro. Das EBITDAR (Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Leasing-Kosten) wuchs um 48 Prozent von 257 auf 379 Millionen Euro. Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) schrumpfte um 67 Prozent von 64 auf 21 Millionen Euro.
Der Nettogewinn betrug 21 Millionen Euro gegenüber 40 Millionen im Jahr 2006. Die zunächst genannten Zahlen von 11 Millionen Euro 2007 und 50 Millionen 2006 mussten nach Angaben des Unternehmens korrigiert werden, da 2006 ein latenter Steuerertrag realisiert wurde. Die operativen Ergebnisse beider Jahre blieben davon unberührt.
Zuversicht schöpft die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft aus der Entwicklung am Jahresanfang: So stieg die Flottenauslastung um vier Punkte auf 70,8 Prozent und der Umsatz pro angebotenem Sitzplatzkilometer um 8,3 Prozent auf 4,35 Eurocent. Optimistisch äußerte sich Hunold trotz des langwierigen Kartellverfahrens auch über die ab 2009 angestrebte Condor-Übernahme. Er sei "nach wie vor guten Mutes".
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