Viertgrößte Airline in Europa: Air Berlin steigt bei Langstrecken ein
zuletzt aktualisiert: 27.03.2007 - 23:13Berlin (RPO). Der Billigflieger Air Berlin weitet seinen Flugplan auf Langstrecken-Verbindungen aus. Durch die Übernahme des Düsseldorfer Ferienfliegers LTU steigt der Konzern im Europa-Verkehr damit zum viertgrößten Anbieter von Flugreisen auf. Deutschlands größte Billigairline erwirtschaftete 2006 zudem erstmals wieder Gewinn.
Zur Übernahme sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold: "Viele unserer Kunden, die vor allem unseren Service schätzen, fordern schon seit Jahren, dass wir auch Langstrecken anbieten. Das können wir jetzt tun, weil wir mit unseren europäischen und unseren innerdeutschen Verbindungen über das erforderliche Zubringer-Netz verfügen."
Air Berlin vereinbarte mit der Fluggesellschaft Condor zudem eine Zusammenarbeit beim Code-Sharing, um ihre Flugpläne zu ergänzen. Die Kooperation soll, falls das Kartellamt sein Einverständnis gibt, bereits in der zweiten Hälfte dieses Jahres aufgenommen werden, wie Condor mitteilte. Beim Code-Sharing bieten zwei oder mehrere Airlines einen Flug unter einer gemeinsamen Nummer an. Dadurch können die Fluggesellschaften ihren Kunden auch Strecken anbieten, auf denen sie selbst gar nicht fliegen. Außerdem verbessert sich dadurch in der Regel die Auslastung der Maschinen.
Durch die Kooperation mit Condor ersetzt Air Berlin nach eigenen Angaben den bisherigen Code-Sharing-Partner TUIfly. Nach der Übernahme der LTU durch Air Berlin sei auch beabsichtigt, Langstreckenverbindungen der LTU in das Code-Sharing aufzunehmen. "Die Flugpläne unserer beiden Gesellschaften ergänzen sich ideal", erklärte Condor-Geschäftsführer Ralf Teckentrup.
Air Berlin geht zudem eine strategische Partnerschaft mit dem Schweizer Reisekonzern Hotelplan ein. Die Fluggesellschaft beteiligt sich mit 49 Prozent an der Hotelplan-Airline Belair, wie die Migros-Tochter am Dienstag mitteilte. Zum Preis der Beteiligung, die noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden muss, wurden keine Angaben gemacht. Hotelplan verspricht sich von der Partnerschaft eine deutliche Erweiterung des Flugangebots, der Frequenzen und der Flexibilität auf den Mittel- und Langstrecken. Air Berlin baut umgekehrt die Position im Schweizer Markt aus.
Air Berlin übernimmt LTU
Der Kaufpreis für die hundertprozentige Beteiligung am Düsseldorfer Ferienflieger LTU beträgt nach Angaben von Air Berlin 140 Millionen Euro. Die Übernahme muss noch vom Kartellamt genehmigt werden. Air Berlin übernimmt auch Schulden der LTU in Höhe von 190 bis 200 Millionen Euro. Der Kauf soll den Angaben zufolge durch die Ausgabe neuer Aktien und eine Wandelanleihe in einem Gesamtvolumen von rund 250 Millionen Euro finanziert werden.
Die LTU soll im Air-Berlin-Konzern ein rechtlich selbstständiges Unternehmen mit eigener Geschäftsführung bleiben. Auch der Name LTU soll auf absehbare Zeit erhalten bleiben. Im Europa-Verkehr werde es jedoch eine nahtlose Eingliederung der LTU-Strecken in das Netz von Air Berlin geben. Air Berlin erwartet Synergien durch die Übernahme zwischen 70 und 100 Millionen Euro.
Die LTU betreibt derzeit 15 Mittelstrecken- und elf Langstrecken-Jets. Air Berlin fliegt derzeit mit 93 Maschinen und beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter. Im Europa-Verkehr wird Air Berlin durch den LTU-Erwerb hinter Ryanair, Air France/KLM und Lufthansa zur viertgrößten Airline.
Im vergangenen Jahr erzielte Air Berlin ein Plus von 50,1 Millionen Euro, meldete der Konzern am Dienstag. Im Vorjahr war verzeichnete die Fluggesellschaft noch einen Verlust von 115,9 Millionen Euro. Darüber hinaus gab die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft eine Umsatzsteigerung für 2006 um 29,6 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro bekannt. Dies führte Air-Berlin-Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer unter anderem auf die Übernahme des Billigfliegers dba im vergangenen Jahr zurück. Der Gewinn je Aktie beträgt den Angaben zufolge 0,95 Euro. Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen weiterhin ein Passagier- und Umsatzwachstum "über dem Branchendurchschnitt".
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