Börsenkurs fällt um sechs Prozent: Airbus zieht EADS tief in rote Zahlen
zuletzt aktualisiert: 11.03.2008 - 19:40Paris (RPO). Probleme und Verzögerungen beim Airbus-Superjumbo sowie beim Militärtransporter A400M haben den Mutterkonzern EADS überraschend tief in die roten Zahlen gerissen. Nach dem Verlust von 446 Millionen Euro im abgelaufenen Jahr blickt Konzernchef Louis Gallois aber zuversichtlich in die Zukunft.
Für 2008 erwartet er ein operatives Ergebnis von 1,8 Milliarden Euro. Dennoch stürzte der Kurs an der Börse um zwischenzeitlich mehr als sechs Prozent ab.
"2007 war ein hartes Jahr, aber wir gewinnen jetzt an Fahrt und Höhe", erklärte Gallois bei der Vorstellung der Bilanz am Dienstag in Paris. Das Programm Power 8 bringe erhebliche Einsparungen, und nach der Abschaffung der Doppelspitze funktioniere EADS "erstmals wie ein normales Unternehmen".
Dennoch brach das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 399 auf 52 Millionen Euro ein. Allein die Startschwierigkeiten des A400M kosten EADS 1,4 Milliarden Euro. Pannen bei der Entwicklung des Propellertriebwerkes verzögern das Programm um bis zu zwölf Monate. Am Ziel des Erstfluges im Sommer werde trotz Risiken festgehalten, sagte Gallois.
Dollarschwäche belastet Airbus
Auch Entwicklungskosten für den neuen Langstreckenflieger A350 und die Dollarschwäche bescherten der wichtigsten EADS-Tochter Airbus einen hohen Verlust. Das operative Ergebnis des Flugzeugbauers lag 2007 mit 881 Millionen Euro im Minus, obwohl mit 453 Maschinen 19 mehr als im Vorjahr ausgeliefert wurden.
In Bedrängnis könnte EADS beim geplanten Verkauf von sechs Werken in Europa kommen. Durch die Finanzkrise hätten die Bieter immer größere Schwierigkeiten, sich Geld für die Übernahmen zu besorgen, sagte Gallois. "Ich weiß nicht, ob man von Scheitern sprechen könnte." Im Frühling sollen die Angebote der Interessenten, darunter die deutsche MT Aerospace für die Werke Varel und Nordenham, dem Verwaltungsrat vorgelegt werden. Auf Wunsch der Gewerkschaften müssten die Verhandlungen parallel geführt werden. Noch stehe der Plan, die Verkäufe im Sommer unter Dach und Fach zu haben.
Schwarze Zahlen im vierten Quartal
Den historischen Auftrag der US-Luftwaffe für 179 Tankflugzeuge sieht Gallois nicht in Gefahr. Der ausgebootete US-Konkurrent Boeing kündigte an, die Pentagon-Entscheidung vor dem Rechnungshof anzufechten. "Die Auftragsvergabe verlief äußerst transparent, professionell und fair", sagte Gallois.
Durch den Deal kann EADS auf dem US-Verteidigungsmarkt Fuß fassen. Ein großer Schritt zum Ziel, den Anteil am Konzernumsatz aus den Bereichen Verteidigung und Sicherheit bis 2020 auf 50 Prozent zu steigern. Bislang steuert Airbus drei Viertel des Umsatzes bei.
Für das vierte Quartal wies EADS einen Nettogewinn von 259 Millionen Euro aus, gegenüber einem Verlust von 768 Millionen im Vorjahreszeitraum. Grund sind geringere Belastungen beim A380. Der erste Superjumbo konnte im Oktober an die Singapore Airlines ausgeliefert werden, am Dienstag wurde die dritte Maschine übergeben.
Der Jahresumsatz blieb mit 39,1 Milliarden Euro dank der hohen Airbus-Auslieferungen trotz Dollarschwäche praktisch stabil. Im laufenden Jahr soll er auf 40 Milliarden Euro gesteigert werden, bei einem neuen Auslieferungsrekord von 470 Airbus-Flugzeugen. Der Auftragseingang für EADS verdoppelte sich im vergangenen Jahr 137 Milliarden Euro.
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