Wer trägt die Hauptlast?: Airbus: Zittern vor dem Sparprogramm
zuletzt aktualisiert: 18.02.2007 - 11:02Paris (RPO). Der 20. Februar könnte für die Beschäftigten des Flugzeugbauers Airbus ein einschneidendes Datum werden: Am Dienstag wird klar sein, wer die Hauptlast des Sparprogramms "Power 8" tragen muss, durch das Airbus wieder in die Erfolgsspur zurückkehren soll.
Seit Oktober feilt Airbus an diesem Programm. Ob es zu befürchteten Massenentlassungen und Werksschließungen kommt, ist indes nicht ausgemacht: Airbus hat Aufträge für mehr als 2.500 Flugzeuge in den Büchern, der höchste Stand in der Luftfahrtgeschichte. Produktion und Entwicklung müssen deswegen hochgefahren werden.
Dennoch ist die Umstrukturierung des europäischen Flugzeugbauers notwendig, wie auch die Airbus-Mutter EADS betont. Nicht nur um Kosten zu senken, sondern um das Unternehmen in Zukunft wettbewerbsfähig zu halten. Insofern sind die Pannen beim Superjumbo A380, die EADS Kosten von mindestens 4,8 Milliarden Euro verursachen, nur der Anlass für den Unternehmensumbau.
Die Zielkoordinaten von Power 8 stammen noch von Ex-Airbus-Chef Christian Streiff, der im Oktober 2006 das Handtuch warf: 30 Prozent Kostensenkungen in der Verwaltung und zwei Milliarden Euro Einsparungen jährlich ab 2010. Bis dahin sollen aber schon fünf Milliarden Euro Barmittel freigemacht werden.
Medienberichten und Gewerkschaftsangaben zufolge ist der Abbau von 10.000 der europaweit 52.000 Stellen bis 2010 geplant. Allerdings soll dies ohne Entlassungen erreicht werden, insbesondere Zeitarbeiter könnten betroffen sein. Bestätigt hat das Unternehmen bislang, sich in Deutschland von 1.000 der 7.300 Leiharbeiter zu trennen. In der Produktion sieht Airbus-Chef Louis Gallois kaum Spielraum. «Aber in der Verwaltung, in der Zentrale (in Toulouse) müssen wir schlanker und effizienter werden.»
Mit Spannung wird zudem erwartet, ob Airbus die Produktion von Maschinen verlagert. 2007 werde das Geburtsjahr eines «neuen Airbus», erklärte Gallois im Januar. «Wir müssen die immer noch nationale Industrieorganisation überwinden.»
Zu Spekulationen, die Produktion des Großraumflugzeuges A380 und des Langstreckenjets A350 solle komplett nach Toulouse gehen und die Fertigung des kleineren A320 nach Hamburg, sagte er lediglich: «Wir wollen die Endmontagelinien optimieren.» Im Oktober hatte er gegenüber Gewerkschaftsvertretern in Frankreich ausgeschlossen, dass der A380 ganz nach Toulouse wandert. Eine Konzentration auf einen Standort während der Produktion gilt ohnehin als unrealistisch, für eine Neuproduktion wie die nächste Generation des A350 dagegen schon.
Ausgemacht ist, dass sich Airbus von Standorten trennt. Die notwendigen Investitionen zur Sicherung aller Werke könne man sich auf Dauer nicht leisten, sagte Gallois kürzlich in einem Interview. Während die Werke, in denen die Maschinen endmontiert werden oder ganze Komponenten wie der Rumpf, das Leitwerk, die Tragflächen oder das Cockpit hergestellt werden, sind offenbar nicht in Gefahr. Werke, in denen nur Teile gefertigt werden, will der Flugzeugbauer aber an Partner abgegeben oder ganz verkaufen. «Wir müssen uns mehr auf unser Kerngeschäft konzentrieren und das Verhältnis zu unseren Partnern und Zulieferern neu bestimmen», sagte Gallois.
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