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Hypo Real Estate: Aktionäre auf den Barrikaden

VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 05.10.2009 - 15:25

Düsseldorf/München (RPO). Showdown bei der Hypo Real Estate (HRE): Bei der voraussichtlich letzten Hauptversammlung des Münchner Immobilienfinanziers werden die verbliebenen Aktionäre aus der Krisenbank gedrängt. Die Anleger reagieren mit Buhrufen und Klagen, wieder kam es zu tumultartigen Zwischenfällen. Letztlich könnte das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

Der angeschlagene Immobilienfinanzierer erweist sich für die Steuerzahler erneut als Loch ohne Boden: Unmittelbar vor der vollständigen Verstaatlichung der Hypo Real Estate hat Vorstandschef Axel Wieandt den Steuerzahlern eine Hiobsbotschaft verkündet. Wegen fauler Immobilienkredite und Wertpapiere brauche die Pfandbriefbank vom Bund bis 2011 noch weitere sieben Milliarden Euro. Die Hilfe werde wohl "nicht vollständig zurückgeführt werden", sondern teilweise durch Verluste aufgezehrt werden, sagte Wieandt am Montag auf der Hauptversammlung in München.

Bereits jetzt stützen andere Banken und der Bund den maroden Immobilienfinanzierer mit über 102 Milliarden Euro, 92 Milliarden davon vom Staat. Unter dem Eindruck der Schockwellen, die die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers in der Finanzwelt auslöste, erklärten alle EU-Staaten mehrfach, dass sie jede "systemwichtige Bank" stützen werden - koste es, was es wolle. Im Falle der Hypo Real Estate sind das schon über 1000 Euro, mit dem jeder Bürger der BRD - vom Kind bis zum Greis - für die HRE geradesteht.

HRE-Pleite wäre fatal gewesen

Die Sorge vor einer Pleite der Bank ist nicht unbegründet: Die Bilanzsumme der HRE ist ebenso groß wie die von Lehman Brothers. Darüber hinaus gehören die HRE und ihre Tochter Depfa zu den weltweit wichtigsten Herausgebern von so genannten Pfandbriefen. Weil diese als besonders sicher gelten, haben insbesondere Staaten ihr Vermögen häufig in Pfandbriefen angelegt. Eine Pleite der HRE würde das Vertrauen in diese sichere Anlageform schwer beschädigen.

Nun will der Staat die mit Milliarden gestützte Bank komplett verstaatlichen. Der Bund hatte sich mit einem auf die HRE zugeschnittenen Gesetz mit dem sperrigen Namen Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetz die Möglichkeit offen gelassen, die verbliebenen Aktionäre des Immobilienfinanzierers im Notfall zu enteignen. Das Gesetz musste aber nicht zur Anwendung kommen, stattdessen kann der Bund auf das klassische Squeeze-Out-Verfahren zurückgreifen.

Es bietet einem Mehrheitsaktionär die Möglichkeit, ohne Angabe von Gründen verbliebene Minderheitsaktionäre aus der Aktiengesellschaft zu drängen. Normalerweise sind dazu 95 Prozent des Kapitals notwendig, durch eine Änderung des Aktienrechts setzte der Bund bei Krisenbanken die Schwelle auf 90 Prozent herab. Die Mehrheit von 90 Prozent hatte sich die Regierung durch Kapitalerhöhungen gesichert, nachdem er sich zuvor fast fünfzig Prozent der Aktien gesichert hatte. Weil auf Hauptversammlungen so gut wie nie alle Aktienbesitzer anwesend sind, konnte er die Kapitalerhöhungen durchsetzen.

Aktionäre laufen Sturm

Der US-Finanzinvestor J.C. Flowers und die verbliebenen Kleinaktionäre wehren sich im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen: Schon bei der vergangenen Hauptversammlung kam es zu regelrechten Tumulten, als Aktionäre mit Protestschildern das Podium stürmten. Auch bei dem heutigen Aktionärstreffen ging es wieder heiß her: Die wenigen hundert nach München gekommenen Aktionäre protestierten mit Schildern und unterbrachen die Rede von HRE-Chef Wieandt immer wieder mit Buhrufen und Pfiffen.

Der Ärger der HRE-Anleger ist verständlich: Noch im Oktober 2006 lag der Aktienkurs des einstigen Dax-Unternehmens bei über 52 Euro. Den verbliebenen Aktionären soll nun eine Abfindung von 1,30 Euro pro Aktie gezahlt werden. Die Mehrheit der Anleger, die sich freiwillig von ihren Aktien trennten, bekam 1,39 Euro vom Bund. Beide Summen liegen deutlich über dem letzten ermittelten Marktpreis vor dem Übernahmeangebot. Damals bewegten sich die Aktien bei rund 90 Cent. Selbst in diesen Preis waren vom Markt aber schon die Hilfen des Bundes eingepreist. Wäre der Steuerzahler nicht eingesprungen, hätten die Aktionäre längst ihr gesamtes Vermögen verloren.

DSW-Presssprecher Marca Cabras kritisiert im Gespräch mit unserer Redaktion die Differenz zwischen Übernahmeangebot und Abfindung. Der DSW will die Höhe der Abfindung gerichtlich überprüfen lassen. Außerdem prüfe man eine Verfassungsklage gegen die Praxis des Bundes beim Squeeze Out. Ein solches Verfahren könnte sich aber über viele Jahre und über mehrere Instanzen hinziehen.

Quelle: Mit Material von AP

 
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