Angeschlagene Bank: Aktionäre drohen IKB mit Insolvenzantrag
zuletzt aktualisiert: 07.07.2008 - 14:34Düsseldorf (RPO). Der krisengeschüttelten Mittelstandsbank IKB droht offenbar neuer Ärger mit ihren Kleinaktionären. Mehrere Anlegeranwälte wollten Anfang der Woche einen Insolvenzantrag gegen das Düsseldorfer Institut stellen Dem IKB-Vorstand wird demnach vorgeworfen, die Finanzlage des Instituts beschönigend darzustellen.
Der Gesellschaft drohe die Zahlungsunfähigkeit, weil die für August geplante und zum Überleben der Bank notwendige Kapitalerhöhung aufgrund zahlreicher Anfechtungsklagen noch auf der Kippe stehe. "Darüber hätte der Vorstand längst informieren müssen", sagte ein Anlagevertreter der "Welt".
Die Düsseldorfer Bank, die sich massiv am US-Hypothekenmarkt verspekuliert hat, konnte seit Juli 2007 nur mit mehreren milliardenschweren Rettungspaketen von KfW, Bund und Banken vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Eine im März auf der Hauptversammlung beschlossene Kapitalerhöhung von 1,5 Milliarden Euro soll die Bank nach ihren Milliardenverlusten wieder auf Kurs bringen.
IKB gibt sich gelassen
Ein IKB-Sprecher erklärte am Montag, bislang sei ihm von einem Insolvenzantrag von Seiten der Kleinanleger nichts bekannt. Auch von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit könne keine Rede sein. "Wir sind guter Dinge, dass die Kapitalerhöhung wie geplant im August kommt", betonte er. Um die Finanzspritze rechtzeitig ins Handelsregister eintragen zu können, sei beim Landgericht Düsseldorf ein sogenanntes Freigabeverfahren beantragt worden. Damit könnte das Geld trotz der noch laufenden Anfechtungsklagen fließen. Eine Entscheidung über den Antrag steht laut einer Gerichtssprecherin allerdings noch aus.
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte das mögliche Insolvenzanträge scharf. "Ein Insolvenzantrag wäre nun wirklich das Letzte, was wir in dieser Situation brauchen", sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. Derzeit versuchen zahlreiche geschädigte Kleinanleger Ersatzansprüche gegen die IKB durchzusetzen. Sie hatten viel Geld verloren, weil die Aktie nach dem Debakel am US-Immobilienmarkt 90 Prozent ihres Wertes eingebüßt hatte. Für die Schadensansprüche sei es "zwingend notwendig, dass die IKB am Leben bleibt". Im Insolvenzfall stünden die Aktionäre ganz hinten an, betonte Hocker.
Juristisch fragwürdig
Fraglich ist ohnehin, ob die Kleinanleger überhaupt einen Insolvenzantrag gegen die Bank stellen können. "Wir gehen nach einer ersten Prüfung davon aus, dass sie das nicht dürfen", sagte der IKB-Sprecher.
Tatsächlich gelten für Banken laut der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) andere Vorschriften als für sonstige Unternehmen. "Einen Insolvenzantrag zu stellen, obliegt eigentlich nur uns," sagte Bafin-Sprecherin Sabine Reimer. Der "Welt" zufolge wollen die Aktionäre dennoch eine juristische Möglichkeit für einen entsprechenden Antrag gefunden haben.
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