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Konzernspitze entlastet: Aktionäre sind Sauer auf Siemens

zuletzt aktualisiert: 25.01.2007 - 21:43

München (RPO). Die Siemens-Hauptversammlung hat Vorstand und Aufsichtsrat des Konzerns entlastet. Es sprachen sich nach Unternehmensangaben gut 71 Prozent für die Entlastung des Vorstandes und nur 60 bis 70 Prozent für die Entlastung des Aufsichtsrates aus. Vorstandschef Klaus Kleinfeld und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer bekamen den Zorn der Aktionäre zu spüren.

Im Vorfeld der Hauptversammlung hatten zahlreiche Aktionärsschützer angekündigt, Vorstand und Aufsichtsrat wegen der Korruptionsvorwürfe die Entlastung zu verweigern. Eine erteilte oder verweigerte Entlastung hat allerdings keinerlei rechtliche Konsequenzen, vielmehr handelt es sich um eine Vertrauensbekundung beziehungsweise einen Vertrauensentzug.

Die Entlastung der Ex-Siemens-Vorstände Thomas Ganswindt und Heinz-Joachim Neubürger wurde bereits im Vorfeld mit Blick auf die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen sie wegen Korruptionsverdachts verschoben.

Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) griff bei dem Aktionärstreffen am Donnerstag in der Münchner Olympiahalle sowohl den Vorstand um Siemenschef Kleinfeld als auch den Aufsichtsratsvorsitzenden von Pierer an. Sie hätten viel zu spät und nicht durchgreifend auf den Schmiergeldskandal reagiert.

"Siemens schlittert von einer Affäre in die nächste", kritisierte die Anlegeranwältin. "Bis jetzt weiß man nicht, wer wann was wusste", fügte Bergdolt  hinzu. Die Aktionäre seien lediglich scheibchenweise über Medienberichte über die Affäre informiert worden, nicht aber von dem Unternehmen selbst.

Dass ausgerechnet Mitarbeiter der internen Kontrollabteilung und möglicherweise ein Zentralvorstand die schützende Hand über unsaubere Vorgänge gehalten haben sollen, sei ein Armutszeugnis für den Konzern. Gleiches gelte für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, der dubiose Zahlungen von mehreren hundert Millionen über Jahre nicht aufgefallen seien.

"Leider nehmen die Enthüllungen kein Ende", kritisierte Bergdolt mit Blick auf die EU-Rekordstrafe wegen unerlaubter Kartellabsprachen. Auch hier müsse befürchtet werden, dass dies erst der Spitze eines Eisbergs sei.

Die Aktionärsvertreterin kritisierte insbesondere Pierers Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender, der nun Vorgänge aus seiner eigenen Vergangenheit als Vorstandschef aufklären solle. Hier seien die schlimmsten Befürchtungen eines Interessenkonflikts beim Wechsel eines Vorstandchefs an die Aufsichtsratsspitze wahr geworden. Pierers Ankündigung, künftig nicht mehr an Sitzungen teilzunehmen, bei denen die Affäre auf der Tagesordnung stehe, komme viel zu spät, kritisierte Bergdolt: "Diesen Schritt hätte ich mir von Ihnen viel früher erwartet, nämlich ganz am Anfang der Affäre."

Kleinfeld verspricht Aufklärung

Von Pierer selbst hat sich bei den Aktionären für den Skandal entschuldigt. Die von ihm eingeleiteten Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung seien nicht ausreichend gewesen, sagte der ehemalige Vorstandschef am Donnerstag vor rund 9.000 Aktionären in der Münchner Olympiahalle. Auch bei der in massive Kritik geratenen Erhöhung der Vorstandsgehälter um 30 Prozent habe es Fehler gegeben.

Vorstandschef Klaus Kleinfeld sagte, der Konzern müsse mit zwei Gesichtern auf 2006 zurückblicken: Mit einem strahlenden auf die guten Geschäfte und mit einem düsteren auf die schweren Vorwürfe um den Schmiergeldskandal: "Ich versichere Ihnen, wir tun alles, um die Vorfälle umfassend und vollständig aufzuklären", versprach Kleinfeld. "Für unsaubere Geschäftspraktiken gibt es keinen Platz in unserer Firma."

Im Zusammenhang mit der Pleite der ehemaligen Siemens-Handysparte wandte sich Kleinfeld direkt an die BenQ-Mitarbeiter: "Es tut mir aufrichtig Leid, dass Sie und Ihre Familien in den letzten Monaten so viel durchmachen mussten", sagte der Siemens-Chef und fügte hinzu: "Da ist etwas gewaltig schief gelaufen." Aufsichtsratschef Pierer sagte, die Pleite des Handy-Herstellers sei "außerordentlich bedauernswert und für alle Betroffenen sehr schmerzlich."

Quelle: afp2

 
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