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DEU Arcandor Karstadt
  Foto: AP, AP
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Bangen um Arcandor: Aktionäre wollen Kapitalerhöhung organisieren

zuletzt aktualisiert: 08.06.2009 - 15:47

Berlin/Essen (RPO). Wie die Zukunft des angeschlagenen Tourismus- und Handelskonzerns Arcandor aussehen wird, ist immer noch ungewiss. Eine  Lösung scheint in weiter Ferne, eine Insolvenz rückt immer näher. Unterdessen gingen die Verhandlungen mit dem Konkurrenten Metro über eine Warenhaus-Fusion weiter.

Der Lenkungsausschuss des Deutschlandfonds erteilte am Montag der von Arcandor beantragten millionenschweren Bürgschaft eine Absage, wie der Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums, Steffen Moritz, in Berlin sagte. Nun hofft das Karstadt-Mutterunternehmen auf sogenannte Rettungsbeihilfen durch den Bund, um die unmittelbar bevorstehende Insolvenz doch noch zu vermeiden. Die Karstadt-Mitarbeiter setzten deutschlandweit ihre Demonstrationen für den Erhalt der Traditionshäuser fort.

Merkel kritisiert Vorstand und Eigentümer

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte derweil die Bemühungen des Arcandor-Vorstands und der Eigentümer um eine Zukunftslösung für den Konzern. "Was mir fehlt, ist die Dringlichkeit, mit der man sich seitens des Unternehmens und der Eigentümer" mit der Zukunft von Arcandor beschäftige, sagte Merkel nach einer Gremiumssitzung ihrer Partei.

Die größte Arcandor-Aktionärin, das Bankhaus Sal. Oppenheim, bekräftigte nach der Ablehnung der Staatsbürgschaften ihr anhaltendes Interesse an einer Rettung des Unternehmens. Das Bankhaus sei weiterhin bereit, eine Kapitalerhöhung zu organisieren, sagte ein Sprecher der Bank in Köln. Vorgesehen sei ein Volumen von 150 Millionen Euro.

Dieses Vorgehen sei mit der ebenfalls mit 30 Prozent an Arcandor beteiligten Madeleine Schickedanz abgesprochen, sagte der Sprecher. Auch sie werde die Kapitalmaßnahme entsprechend ihrer gegenwärtigen Beteiligung mit 45 Millionen Euro unterstützen.

  Die Bank zeigte sich zuversichtlich, die noch fehlenden 60 Millionen Euro zusammenzubringen. Dies benötige aber etwas Zeit, sagte der Sprecher. Aus diesem Grund sei die von Arcandor beantragte Rettungsbeihilfe unerlässlich, sagte der Sprecher. Werde sie nicht bewilligt, müsse Arcandor die Insolvenz beantragen.

Bürgschaften aus Rettungsfonds abgelehnt

Arcandor hatte aus dem Deutschlandfonds Bürgschaften über 650 Millionen Euro sowie einen Kredit von 200 Millionen Euro beantragt. Dies wurde nun "einstimmig" abgelehnt, wie der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Walther Otremba nach der Sitzung des Gremiums in Berlin sagte. Grund sei, dass "zentrale Voraussetzungen nicht vorliegen, zum Beispiel, dass das Unternehmen erst zum 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten geraten ist", sagte er. "Auch die langfristige Ertragskraft, die wiedergewonnen werden müsste, war nicht zu sehen", betonte der Staatssekretär. "Insofern war der Antrag klar abzulehnen."

Als Alternative hofft Arcandor nun auf Rettungsbeihilfen über 437 Millionen Euro, die das Unternehmen ebenfalls beantragt hat. Hierüber sollte der interministerielle Ausschuss für Bürgschaftsangelegenheiten am Montag beraten. Nach den Worten Otrembas soll das Gremium eine Empfehlung aussprechen. "Das muss eigentlich alles jetzt innerhalb der nächsten Stunden entschieden werden, weil sie (Arcandor) nicht mehr viel Zeit haben, bevor sie zum Insolvenzrichter müssen", sagte Otremba. Bis Mittwoch falle die endgültige Entscheidung, die auf politischer Ebene getroffen werde.

Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski sagte, der Konzern werde aufgrund der Ablehnung der Staatsbürgschaften am Montag keinen Antrag auf Insolvenz stellen. Solange es keine Absage für den Rettungskredit gebe, sei dies nicht notwendig. Eine Zahlungsunfähigkeit sei derzeit nicht gegeben. Der beantragte Kredit soll die Liquidität des Unternehmens als Rettungsbeihilfe erst einmal sicher stellen.

Bei den Gesprächen mit Metro geht es laut Koslowski darum, ein tragfähiges Konzept für die Warenhäuser Karstadt und Kaufhof in Deutschland zu finden. Unterschiedliche Auffassungen gibt es nach Informationen aus Verhandlungskreisen unter anderem über die Anzahl der zu erhaltenden Standorte.

Arcandors Chancen auf Hilfe aus dem Deutschlandfonds waren bereits Mitte vergangener Woche aufgrund von Bedenken der EU-Kommission deutlich gesunken, nach deren Einschätzung der Warenhauskonzern bereits vor dem 1. Juli 2008 wirtschaftlich nicht gesund war. Für Arcandor mit den drei Geschäftsfeldern Einzelhandel (Karstadt), Tourismus (Thomas Cook) und Versandhandel (Primondo mit Quelle, Hess Natur) arbeiten etwa 86 000 Menschen, davon 53 000 in Deutschland.

Die Arcandor-Aktie verlor bis 15.40 im MDAX 28,7 Prozent auf 1,35 Euro.

 

Quelle: DDP

 
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