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Externer Gegenkandidat abgelehnt: Aktionärsrevolte bei Infineon gescheitert

zuletzt aktualisiert: 11.02.2010 - 18:48

München (RPO). Trotz Unterstützung des britischen Pensionsfonds Hermes und weiterer Aktionäre ist der Manager Willi Berchtold nicht in den Aufsichtsrat von Infineon gewählt worden. Die beispiellose Aktionärsrevolte beim Münchner Chiphersteller Infineon ist damit gescheitert.

Die Hauptversammlung hat den vom britischen Pensionsfonds Hermes vorgeschlagenen externen Bewerber für den Aufsichtsrat, Willi Berchtold, am Donnerstag mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Er erhielt 72,6 Prozent Nein-Stimmen. Berchtold war als Gegenkandidat zum designierten Aufsichtsratschef Klaus Wucherer angetreten.

In einem zweiten Wahlgang wurde Wucherer - wie der gesamte von Unternehmensseite vorgeschlagene Aufsichtsrat - gewählt. Er erhielt allerdings als einziger Kandidat eine größere Menge an Nein-Stimmen von 27,5 Prozent. Alle anderen Kandidaten wurden mit mehr als 99-prozentiger Zustimmung angenommen. Wucherer hat angekündigt, für den Fall seiner Wahl, nur für ein Jahr an der Spitze des Aufsichtsratsgremiums bleiben zu wollen und dann für einen Nachfolger Platz zu machen.

Im Verlauf der Hauptversammlung war es davor zu heftiger Kritik an Wucherer und vor allem am scheidenden Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley gekommen. Dieser wurde dennoch mit 96,5 Prozent Ja-Stimmen entlastet - ein bei weitem besseres Ergebnis als im Vorjahr, als sich nur eine hauchdünne Mehrheit für seine Entlastung gefunden hatte.

Kritik an erbittertem Schlagabtausch

Hans-Christoph Hirth vom britischen Pensionsfonds Hermes, der Berchtold nominiert und damit die Aktionärsrevolte bei Infineon ausgelöst hatte, warf dem alten Aufsichtsrat eine über Jahre hinweg verfehlte Personalpolitik vor. Wucherer sei seit 1999 dabei und mitverantwortlich.

Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte, dass es bereits vor der Hauptversammlung zu einem "erbitterten Schlagabtausch" gekommen sei. Dies sei nicht zum Wohle des Unternehmens gewesen. Insbesondere Kley habe hier versagt, erklärte sie unter dem Applaus der Aktionäre. "Sie hätten diese Schlammschlacht verhindern müssen", rief Bergdolt dem Aufsichtsratsvorsitzenden zu. Auch Hans-Martin Buhlmann, von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger hatte sich für Berchtold ausgesprochen.

Kley wies die Kritik der Aktionäre dagegen zurück und warb für Wucherer. Der jetzt eingeschlagene Weg müsse fortgesetzt werden: "Kein Neuanfang vom Neuanfang, Stabilität statt Destabilisierung", sagte Kley.

Auch Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sprach sich für Wucherer aus. Der Gegenvorschlag sei zu spät gekommen. Ein Vertreter der Fondsgesellschaft Union Investment stärkte ebenfalls Wucherer den Rücken. Nach einem Jahr müsse dann aber wie angekündigt auch Schluss sein, sagte er. Infineon müsse wieder zur Ruhe finden und zum Geschäft zurückkehren. "Jetzt ist der falsche Augenblick, die Sense im Aufsichtsrat kreisen zu lassen."

Berchtold warb für sich mit der Perspektive eines Neuanfangs "auch an der Spitze des Aufsichtsrates". Wucherer argumentierte dagegen, der Neuanfang bei Infineon sei bereits gemacht. "Diskussionen über den Neuanfang halte ich für unnötig und gefährlich", sagte er. Dies lenke nur von der täglichen Arbeit ab.

Über den Vorsitz des Aufsichtsrates stimmten die Aktionäre am Donnerstag nicht ab. Dies Entscheidung trifft wie üblich das Kontrollgremium selbst.

Quelle: apd/jre

 
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