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Abrechnung auf Hauptversammlung: Aktionärsschützer warnen vor ProSiebenSat.1

zuletzt aktualisiert: 10.06.2008 - 18:09

München (RPO). Aktionärsschützer haben auf der Hauptversammlung von ProSiebenSat.1 ihren Ärger über den Konzern Luft gemacht. "Setzen, sechs!" sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) unter dem Beifall der nicht stimmberechtigten Kleinaktionäre in München.

Prosiebensat1-Chef Guillaume de Posch auf der Hauptversammlung  Foto: AP, AP
Prosiebensat1-Chef Guillaume de Posch auf der Hauptversammlung Foto: AP, AP

Trotz Rekordschulden und Verlusten ließen sich die Finanzinvestoren Permira und KKR die höchste Dividende der Unternehmensgeschichte auszahlen: So schlachte man "die Kuh, die man melken will".

Der scheidende Finanzchef Lothar Lanz sagte, der Schuldenberg sei weiter gestiegen auf 3,4 Milliarden Euro. Der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Klaus Schneider, reagierte empört. Die Bilanz sei ein reiner "Schönwetterabschluss". Die Dividende von 270 Millionen entspreche dem dreifachen Jahresgewinn und sei maßlos. Dass der Aktienkurs nach Einbrüchen am deutschen Werbemarkt und roten Zahlen im ersten Quartal um ein Viertel abgestürzt sei, sei ein "hausgemachtes Kursdesaster". Angesichts der neuen Sparrunde bei dem schon ziemlich ausgequetschten Unternehmen bezweifle er, dass ProSiebenSat.1 die angestrebte Führungsposition in Europa erreichen könne.

Berdolt warnte die 250 anwesenden Kleinaktionäre: "Vorsicht bei ProSiebenSat.1!" Der Konzern sei ein Paradebeispiel für beherrschende Großaktionäre, "die das Wohl des Unternehmens nur partiell im Auge haben". KKR und Permira hätten ihre europäische Sendergruppe SBS zu einem "grenzwertig teuren" Preis an ProSiebenSat.1 verkauft und den Konzern "bis über den Kopf verschuldet". Die aufgebürdeten Schulden seien "so hoch, dass man als freier Aktionär nur beunruhigt sein kann", sagte Bergdolt.

Posch verteidigte die Rekorddividende: "ProSiebenSat.1 ist ein kerngesundes Unternehmen." Die neue Sparrunde mit einem Volumen von 70 Millionen Euro werde nicht zu Lasten des Programms gehen. Nur RTL investiere mehr ins Programm.

Weitere Einbußen bei TV-Werbung

Der Konzern habe zwar auch im zweiten Quartal Einbußen im deutschen TV-Markt. "Die Delle des ersten Halbjahres in unserem deutschen Werbegeschäft werden wir nicht ganz ausgleichen können", sagte Posch. Aber wegen der wachsenden Werbemärkte im Ausland gehe er davon aus, "dass die Gruppe im Gesamtjahr Umsatz und Ergebnis steigern wird". Im Vorjahr war das Ergebnis um ein Drittel eingebrochen. Inzwischen habe Sat.1 aber bei den Marktanteilen den größten Sprung nach vorn gemacht, sagte Posch: "Sat.1 ist kein Sorgenkind mehr".

Bergdolt sagte, die Dividende sei nur damit zu erklären, "dass die Großaktionäre Geld brauchen". Der Medienkonzern sei intransparent geworden: "Mir fehlen nicht nur Strategien, mir fehlen Zahlen, mir fehlen Fakten", sagte die Aktionärsschützerin. Ein Kleinaktionär riet dem Aufsichtsratschef und Permira-Partner Götz Mäuser, sich die TV-Serie "Schuldnerberatung" anzusehen.

Der scheidende Vertriebschef Peter Christmann, der eine Kartellstrafe von 120 Millionen Euro wegen Werbeabsprachen verantworten muss, zog den Antrag auf Entlastung auf der Hauptversammlung zurück. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen ihn.

Quelle: ap

 
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