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Druck auf Vattenfall wächst: AKW Brunsbüttel wieder hochgefahren

zuletzt aktualisiert: 13.07.2007 - 20:09

Brunsbüttel (RPO). Nach einer ganzen Serie von Pannen hat Betreiber Vattenfall den Reaktor des Atomkraftwerks Brunsbüttel wieder hochgefahren. Unterdessen wächst der juristische Druck auf das schwedische Energieunternehmen. Weil sich der Betreiber geweigert hatte, den Namen eines möglichen Zeugen herauszugeben, wollte die Polizei einen Durchsuchungsbefehl im AKW Krümmel vollstrecken. Vattenfall lenkte daraufhin ein.

Vor dem Anfahren in Brunsbüttel war das Messsystem gespült worden. Für die Spülung sei der Druck des Reaktors in der Nacht zum Freitag abgesenkt worden, teilte Betreiber Vattenfall Europe am Freitag mit. Dadurch hatte das AKW zwischenzeitlich nur zehn Prozent der möglichen Leistung.

Nach Vattenfall-Angaben vom Freitag haben Kontrollmessungen nach der Spülung keine Auffälligkeiten ergeben. Damit könne ausgeschlossen werden, dass sich Radiolysegas (Wasserstoff) in diesem System befindet.

Polizeibeamte verschafften sich am Freitag per Durchsuchungsbeschluss der Staatsanwaltschaft Zutritt zum Gelände des AKW Krümmel, um dort einen verantwortlichen Reaktorfahrer zu befragen. Der BUND kündigte unterdessen eine Strafanzeige gegen den Energiekonzern an. Auch die für die Reaktoraufsicht zuständige Landessozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) sah sich inzwischen im Kieler Landtag mit Rücktrittsforderungen von FDP und Grünen konfrontiert.

Rauchgase im Leitstand

Hintergrund für das Vorgehen der Staatsanwaltschaft ist der Brand eines Transformators am 28. Juni, bei dem Rauchgase in den Leitstand des Kraftwerks eingedrungen waren. Die Staatsanwaltschaft präzisierte Angaben, wonach es am Freitag faktisch keine Durchsuchung des Leitstandes und der Büroräume gegeben habe. Weil die Befragung des Reaktorfahrers vor Ort ermöglicht worden sei, hätte die Polizei den Durchsuchungsbeschluss nicht mehr vollstrecken müssen, sagte der Lübecker Oberstaatsanwalt Klaus-Dieter Schultz. Vattenfall hatte die Herausgabe der Personalien zunächst verweigert.

Vattenfall-Geschäftsführer Bruno Thomauske betonte, "aus der Fürsorgepflicht für meine Mitarbeiter habe ich entschieden, den Namen des Reaktorfahrers zunächst nicht zu nennen". Der Reaktorfahrer habe bestätigt, dass er bei dem Brand nicht verletzt worden sei.

Schleswig-Holsteins Justizminister Uwe Döring (SPD) zeigte kein Verständnis für das Verhalten des Konzerns. "Trotz der Zusage, die Öffentlichkeit umfassend und umgehend zu informieren, verweigert Vattenfall der Staatsanwaltschaft die Einsicht in die Dienstpläne." Auf diese Art "die Arbeit der Staatsanwaltschaft zu behindern, ist nicht akzeptabel".

Anspruch auf Schadensersatz

Grünen-Fraktionschef Karl-Martin Hentschel betonte in einer Landtagsdebatte, sein Vertrauen in die Reaktoraufsicht des Landes sei zerstört. Trauernicht habe es versäumt, dem Betreiber konkrete Auflagen zu erteilen. Nach Ansicht des FDP-Abgeordneten Heiner Garg haben bei der Information der Öffentlichkeit "sowohl Vattenfall als auch Ministerin Trauernicht versagt".

Trauernicht gab sich davon unbeeindruckt und betonte, die durch das Atomgesetz gegebenen Handlungsspielräume voll ausschöpfen zu wollen. "Ich lasse mich auch durch Drohungen mit Schadensersatzansprüchen nicht davon abhalten, bestmögliche Sicherheit von Vattenfall zu verlangen", sagte sie. Die Sicherheit der Bevölkerung gehe vor Gewinninteressen des Unternehmens.

Vattenfall sei für Montag zu einem aufsichtsrechtlichen Gespräch nach Kiel geladen worden. Dabei sollen auch der Reaktorfahrer, der Schichtleiter und zwei weitere verantwortliche Mitarbeiter befragt werden. Die Vorkommnisse sind am kommenden Donnerstag erneut Thema im Sozialausschuss des Landtags.

Quelle: afp

 
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