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Alexander Kirchner
EVG-Chef beglückwünscht Bahn-Schlichter

Chronologie des Streiks der GDL
Chronologie des Streiks der GDL FOTO: dpa, fru tmk
Berlin. Nach der Einigung zwischen der Deutschen Bahn und GDL meldet sich der Vorsitzende der Konkurrenzgewerkschaft EVG, Alexander Kirchner, zu Wort. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt er, welche Folgen die Einigung auch für seine Mitglieder hat und welche Voraussetzungen es geben muss, damit EVG und GDL künftig gemeinsam mit der Bahn verhandeln. Von Maximilian Plück

Herr Kirchner, wie beurteilen Sie das Ergebnis der GDL-Schlichtungsgespräche?

Kirchner Wir beglückwünschen die Schlichter zu diesem Ergebnis. Der Tarifabschluss der EVG wurde komplett übernommen. Dadurch wurde eine drohende Spaltung einzelner Beschäftigtengruppen verhindert. Nach Aussage der DB AG gibt auch künftig keine abweichende Regelungen für einzelne Berufsgruppen.

Die GDL hat sich mit ihrer Forderung nach einem Bundesrahmentarifvertrag für das Zugpersonal, einer um eine Stunde reduzierte Wochenarbeitszeit und Neueinstellungen von Zugpersonal und Lokführern durchgesetzt. Werden nun reihenweise Mitglieder von der EVG zur GDL wechseln?

Kirchner Warum sollten sie das tun? Ziel der EVG ist es, die Zahl der Überstunden schon jetzt deutlich zu reduzieren und nicht erst 2018, wie es mit der GDL vereinbart wurde. Unsere Betriebsräte arbeiten deshalb schon jetzt an zielführenden Lösungen in den Betrieben, die den individuellen Interessen der Beschäftigten Rechnung tragen. Im Übrigen wird es bis zum Jahr 2018 wohl noch zwei Tarifrunden geben, in denen wir die Interessen unserer Mitglieder wiederum erfolgreich durchsetzen werden. Das ist für uns der Maßstab.

Wie geht es nun für die EVG weiter?

Kirchner Im Rahmen unseres Tarifvertrages haben wir den "Tarifvertrag Arbeit 4.0" vereinbart. Die Anforderungen und Verantwortlichkeiten haben sich in fast jedem Beruf bei der Eisenbahn so stark verändert, so dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Das werden wir als nächstes anpacken.

Die Schlichter haben sich für gemeinsame Tarifverhandlungen von EVG, GDL und Bahn ausgesprochen. Welche Voraussetzungen müsste die GDL dafür erfüllen?

Kirchner Das bekräftigt unsere Auffassung, dass wir als Gewerkschaften mehr herausholen können, wenn wir gemeinsam für die Beschäftigten kämpfen und nicht gegeneinander. Dabei muss das Interesse aller Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen und nicht die Interessen nur einiger weniger Berufsgruppen. Das ist die Voraussetzung.

Wie beurteilen Sie, dass die Bahn trotz des Tarifeinheitsgesetzes der GDL die Tarifpartnerschaft bis 2020 zusichert?

Kirchner Die GDL vertritt bei der DB AG unzweifelhaft die Interessen der Mehrheit der dort beschäftigten Lokführer, insofern ist sie natürlich auch Tarifpartner der DB AG. Wir halten eine vernünftige Einigung über die Frage tarifpolitischer Zuständigkeiten auf betrieblicher Ebene grundsätzlich für den sinnvolleren Weg.

 
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