Kritik an Dumpingpreisen: Alltours kauft Tickets von Billigfluglinien auf
zuletzt aktualisiert: 02.09.2006 - 09:57Berlin (rpo). Der Reiseveranstalter Alltours hat damit begonnen, im großen Stil billige Flugtickets aufzukaufen. Alltours-Chef Willi Verhuven sagte nach einem Medienbericht, er wolle die "Dumpingpreise" der Billigfluglinien nicht weiter subventionieren.
"Wenn die Fluggesellschaften meinen, One-Way-Tickets für 29 Euro verkaufen zu müssen, und dann von Großabnehmern wie uns einen wesentlich höheren Preis verlangen, da werde ich ärgerlich. Ich sehe nicht ein, dass wir deren Dumpingpreise subventionieren", sagte Alltours-Chef Willi Verhuven der "Berliner Zeitung" zur Begründung. Das habe Alltours seinen Flugpartnern wie Air Berlin, Condor oder Hapagfly zu verstehen gegeben, die im Einzelplatzgeschäft als Billiganbieter agieren.
"Wir kaufen den Airlines im großen Stil diese Einzelbilligflüge weg. Er habe dafür eine Abteilung mit zehn Leuten eingerichtet, die den ganzen Tag nur damit beschäftigt sei, die billigen Tickets aufzukaufen. Diese nutze er dann für Urlaubsreisen, weil Alltours meist in den gleichen Maschinen buche. "Unser Schachzug bestand darin, dass wir von vornherein unter Bedarf bei den Fluggesellschaften eingekauft und dann billig dazu gekauft haben. Und die daraus insgesamt resultierenden Preisvorteile geben wir an unsere Kunden weiter", sagte Verhuven. Alltours werde diese Praxis solange fortsetzen, wie die Fluggesellschaften das Konzept mit den "unseriösen Billigflug-Angeboten" verfolgten. "Wenn sie ihre Politik ändern, dann hat sich unsere Aktion erledigt. Wir wollen einfach, dass Flüge zu realen Preisen verkauft werden und nicht sinnlose Überkapazitäten die Umwelt verpesten", sagte Verhuven.
Er kündigte außerdem an, dass Alltours die Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr nicht an seine Kunden weitergeben werde. "Diesen unteren einstelligen Millionenbetrag versuchen wir an anderen Stellen auszugleichen. Wir kürzen beispielsweise den Werbeetat etwas.
Verhuven kritisierte die einzig auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Politik großer Konzerne und fordert mehr Verantwortungsbewusstsein für die Belegschaften. "Die Geschäftsführer denken zuerst an ihr Gehalt und an Gewinnmaximierung. Ich würde den Konzernen, die immer nur ihre Gewinne steigern wollen, dringend empfehlen, mal einen Bonus an die Mitarbeiter zu zahlen", sagte er. Auch so könne man den Konsum ankurbeln. Alltours habe in seinem 32-jährigem Bestehen noch nie betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen, sagte Verhuven, der Alleineigentümer ist.
Alltours ist dem Blatt zufolge mit 1760 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro der größte konzernunabhängige Reiseveranstalter Deutschlands und nach TUI, Thomas Cook und Rewe Touristik das viertgrößte Reiseunternehmen auf dem deutschen Markt.
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