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8,4 Milliarden Euro Boni für Londons Banker: Als hätte es die Finanzkrise nie gegeben

VON ALEXEI MAKARTSEV - zuletzt aktualisiert: 11.01.2011 - 08:50

London (RP). Eine Karikatur im "Daily Telegraph": ein steinerner Fondsmanager mit Köfferchen auf einem Podest. Darauf steht: "Gewidmet allen City-Bankern, die ihre Boni auf eine Million Pfund begrenzt haben." Davon wird es nicht viele geben, fürchten die Briten. Neue Schätzungen über den bevorstehenden "Geldregen" haben an der Themse für einen Aufschrei gesorgt.

Es ist, als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Das Marktforschungsinstitut cebr erwartet, dass die Londoner Banker im Februar insgesamt sieben Milliarden Pfund (8,4 Milliarden Euro) an Boni und Prämien für 2010 kassieren werden. Die Kritiker der Finanzbranche nennen es inakzeptabel, dass die Angestellten der mit Steuergeld geretteten, teils nationalisierten Institute wieder in Geld baden dürfen, während die meisten Briten ihre Gürtel enger schnallen müssen.

Es ist zwei Jahre her, dass die schwer angeschlagene Royal Bank of Scotland (RBS) eine gewaltige Geldspritze der Regierung akzeptierte und zu 84 Prozent in Staatsbesitz überging. Trotz eines Gewinnrückgangs von 30 Prozent 2010 werde RBS seinen Angestellten voraussichtlich eine Milliarde Pfund an Boni auszahlen, schätzen die Experten. Laut "Times" könnte Bankchef Simon Hester mit 2,5 Millionen Pfund belohnt werden.

Die Finanzriesen Barclays und HSBC wollen angeblich jeweils 2,5 bis drei Milliarden Pfund an Boni auszahlen. "Die britischen Reichen bleiben reich", freuen sich die Hersteller von Luxus-Yachten und Edel-Limousinen, deren Umsätze wieder auf das Niveau vor der Krise gestiegen sind.

Erwartungsgemäß schäumen die Opposition und liberale Zeitungen vor Wut. Sie werfen der konservativ-liberalen Koalition "schändliches Versagen" im Kampf gegen die "gierigen" Banker vor. Es sei die Schuld von Premierminister David Cameron, dass die "unverdient reichen" Angestellten des Bankensektors ihre "Kultur der Maßlosigkeit" feiern dürfen, ärgert sich Len McCluskey, Chef der größten britischen Einzelgewerkschaft Unite.

Eigentlich verpflichtet der Koalitionsvertrag mit den Liberaldemokraten Cameron zu "harten Maßnahmen gegen übermäßige Boni". Der Premier hat es aber gar nicht eilig damit, sich in der Finanzwelt unpopulär zu machen. Natürlich sollten die Banken in harten Zeiten mehr soziale Verantwortung zeigen, mahnt er, allerdings dürften sie nicht zu alleinigen Sündenböcken gemacht werden. An der Finanzkrise seien alle schuld.

Nach Informationen des "Independent" will Cameron die Boni hinnehmen, wenn die Banken im Gegenzug ihre Geschäfte transparenter machen und mehr Kredite für die mittelständischen Unternehmen bereitstellen.

Quelle: RP

 
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