Kirchentag: Altkanzler Schmidt rechnet mit langer Krise
zuletzt aktualisiert: 22.05.2009 - 06:15Bremen (RPO). Die Weltwirtschaftskrise wird nach Auffassung von Altkanzler Helmut Schmidt noch lange andauern. "Wir sind noch lange nicht über dem Berg", sagte er beim Evangelischen Kirchentag in Bremen.
Der 90-jährige Politiker, der von den rund 10.000 Zuhörern mit Standing Ovations empfangen wurde, verlangte die Einführung internationaler Regeln und einer Aufsicht für die Finanzwirtschaft. In den zurückliegenden 30 Jahren habe sich der Missbrauch zunehmend ausbreiten können.
Neben der Überwachung der Finanzmärkte und einer verlässlichen Regulierung sind laut Schmidt zur Bewältigung der Krise die Kreditmärkte wieder funktionstüchtig und die Banken handlungsfähig zu machen. Zudem brauche die Weltwirtschaft eine Stimulierung der Nachfrage. Der Altkanzler plädierte für eine expansive Haushaltspolitik und lobte die bisher "größten Konjunkturprogramme", die von den Staaten in Friedenszeiten gegen eine Krise ergriffen worden seien. Die Wirksamkeit aller Maßnahmen bleibe aber noch lange Zeit ungewiss.
Nach Einschätzung Schmidts werden sich nur einige der Verantwortlichen für die Krise vor Gericht verantworten müssen. Die Masse sei juristisch kaum zu fassen. Moralische Appelle an Investmentbanker hülfen aber nicht weiter, notwendig seien internationale Regeln. Allerdings ließen sich Banken nicht ohne innere Bereitschaft der Vorstände reformieren.
Zoellick: Entwicklungsländer unterstützen
Schmidt bekundete die Erwartung, dass die akuten Schwierigkeiten in den nächsten Jahrzehnten bewältigt werden können. Das größte Problem im 21. Jahrhundert stelle aber die expolsiv wachsende Bevölkerung in Asien und Afrika dar, was ein hohes Konfliktpotenzial für Europa darstelle. Hier sieht Schmidt keine Lösung. Weiter forderte der Altkanzler eine Umstellung der Entwicklungshilfe. Sie dürfe nur unter der Bedingung gegeben werden, dass die Empfängerländer Mädchen die gleichen Bildungschancen einräumen wie Jungen und die Militärhaushalte begrenzen.
Weltbankpräsident Robert Zoellick rief die Industriestaaten und Deutschland auf, in der Krise die Entwicklungsländern zu unterstützen. Ansonsten drohten in armen Ländern wegen mangelnder Versorgung Babys zu sterben. Insbesondere bedürfe es auch Investitionen in das Bildungssystem von Entwicklungsländern.
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