Kommt jetzt die Kartenkrise?: Amerikaner können Kreditkartenschulden nicht mehr bezahlen
zuletzt aktualisiert: 16.04.2009 - 20:54New York (RPO). Die Ausfallraten bei den großen US-Kreditkartenanbietern steigen immer weiter. Bei American Express (AmEx) kletterte sie im März um 0,2 Prozent auf 8,8 Prozent, wie der Konzern in New York mitteilte. In den Monaten Januar und Dezember hatte die Rate noch bei 8,3 beziehungsweise 7,5 Prozent gelegen.
Angesichts von Rezession und Massenentlassungen geraten immer mehr amerikanische Verbraucher in Zahlungsschwierigkeiten. Die Arbeitslosenquote war zuletzt auf das 25-Jahres-Hoch von 8,5 Prozent geschnellt. In der Folge teilten viele große Kreditgeber - darunter die Bank of America und JPMorgan Chase - mit, sie rechneten mit einer weiter wachsenden Zahl von Verbrauchern, die nicht mehr tilgen könnten.
Den weiteren Anstieg der AmEx-Ausfallrate interpretierten Investoren aber als Hoffnungsschimmer: Sie setzen darauf, dass das vergleichsweise kleine Plus um 0,2 Prozent auf eine allmählich wachsende Zahlungskraft der Kreditkarten-Schuldner hindeuten könnte. Allerdings hat AmEx traditionell eine eher wohlhabende, konsumfreudige Klientel.
Die AmEx-Aktie profitierte: Nach einem zwischenzeitlichen Minus von 5 Prozent schoss sie bis Mittwochabend auf ein 12-Prozent-Plus. "Wir haben die Probleme noch nicht vom Tisch. Aber der Markt mag die kleinen Hinweise darauf, dass das Schlimmste vorbei sein könnte", erklärte Analyst Darin Newsom.
Düstere Daten bei Konkurrent Capital One
Der eher moderate Anstieg bei American Express steht in scharfem Kontrast zu den wesentlich düstereren Daten des Konkurrenten Capital One, der Master- und Visa-Karten herausgibt: Dieser hatte zuvor den Anteil der Schulden, die wahrscheinlich nicht mehr zurückgezahlt werden, mit 9,33 Prozent beziffert, ein Anstieg um 1,27 Prozent gegenüber Februar.
Bei beiden Unternehmen fiel allerdings die Rate der Kredite, die seit 30 Tagen oder länger nicht mehr bedient wurden - eine Kennziffer, die auf die Größenordnung der künftigen Ausfälle hindeutet. Selbst ein minimaler Rückgang - bei Capital One ging die Rate von 5,10 auf 5,08 Prozent zurück - gilt bereits als positives Zeichen.
Zahl der Transaktionen steigt und steigt
Nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA im vergangenen Jahr steht der bedeutende Kreditkartensektor besonders im Fokus. Weltweit sind Kreditkarten das am schnellsten wachsende bargeldlose Zahlungsmittel. Wie die Zeitschrift "die bank" Anfang des Jahres berichtete, entfallen auf sie mittlerweile 54 Prozent des globalen Zahlungsvolumens. Von 2001 bis 2006 stieg die Zahl der Kreditkarten-Transaktionen weltweit jährlich um 16 Prozent, in Europa um 11 Prozent.
In Deutschland ist die Beliebtheit der Kreditkarte als bargeldloses Zahlungsmittel dem Bericht der Zeitschrift zufolge weniger groß. Während jeder Bundesbürger statistisch 225 elektronische Zahlungen pro Jahr leiste, greife er nur 40 Mal zur Kreditkarte. Plastikgeld wird hier bisher eher zum bequemen Bezahlen und weniger zum Schuldenmachen genutzt.
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