Karstadt ist gerettet: Amtsgericht Essen gibt grünes Licht
zuletzt aktualisiert: 03.09.2010 - 16:32Berlin (RPO). Der insolvente Warenhauskonzern Karstadt ist nun auch offiziell gerettet. Das Amtsgericht Essen bestätigte am Freitag den Insolvenzplan für das Unternehmen, nachdem zuvor die Gläubiger des Vermieter-Konsortiums Highstreet den Forderungen des Investors Nicolas Berggruen nach reduzierten Mieten zugestimmt hatten.
Laut einem Gerichtssprecher sind damit alle Voraussetzungen für die Annahme des Insolvenzplanes gegeben. Damit kann Karstadt nun das Insolvenzverfahren abschließen und schuldenfrei weitergeführt werden.
Investor Nicolas Berggruen zeigte sich "sehr glücklich" über Kauf der insolventen Kaufhauskette. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen traut dem Investor eine "reelle Chance" zu, die Warenhauskette wieder flott zu machen, warnt aber vor verfrühter Euphorie.
Wichtig sei es nun aber für Karstadt, in die Zukunft zu schauen, sagte Berggruen am Freitag in Berlin vor Mitarbeitern des Unternehmens. "Karstadt wird ein sehr aufregendes Leben haben. Und ich bin irrsinnig glücklich, dass ich dabei bin", sagte der deutsch-amerikanische Investor. Zugleich rief er die Mitarbeiter auf, gemeinsam mit ihm an einen Strang zu ziehen. "Ich sehen mich heute als Arbeiter für Karstadt", sagte er.
Kurz zuvor hatte er die letzte große Hürde bei der Übernahme Karstadts genommen. Alle Gläubiger des Vermieter-Konsortiums Highstreet stimmten den reduzierten Mieten für die Karstadt-Filialen zu, wie ein Berggruen-Sprecher mitteilte. Damit war die letzte noch offene Forderung für den Vollzug des Kaufvertrags durch Berggruen erfüllt.
Von der Leyen sieht "reelle Chance"
Zuvor hatten Beggruen und die Gläubiger um Highstreet über Monate in zähen Verhandlungen um die künftigen Mietzahlungen gerungen. Die Einigung gilt als Voraussetzung für die Annahme des Insolvenzplans und die weitere Sanierung des Unternehmens mit seinen 25 000 Mitarbeitern. Um 14.00 Uhr will das Amtsgericht Essen über den Insolvenzplan entscheiden.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen begrüßte die sich abzeichnende Rettung der Karstadt-Warenhäuser, warnte gleichzeitig aber vor verfrühter Euphorie. "Es ist ein großer Tag der Freude für Karstadt. Karstadt ist noch nicht über den Berg, aber mit Nicolas Berggruen gibt es eine reelle Chance, das Unternehmen wieder flottzumachen", sagte die CDU-Politikerin am Freitag in Berlin. Unmittelbar zuvor waren die letzten beiden Unterschriften zur Rettung des angeschlagenen Warenhauskonzerns eingegangen.
Wowereit zeigte sich erleichtert
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Übernahme der insolventen Warenhauskette begrüßt. Er sei erleichtert, dass nach langen Verhandlungen "endlich der Weg frei ist" für eine Sicherung der Kaufhauskette, sagte Wowereit. Er freue sich auch, dass für die 2500 Vollzeitarbeitsplätze der Berliner Karstadthäuser "Perspektiven geschaffen werden können".
Karstadt sei ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt, sagte der SPD-Politiker. Die Warenhäuser stellten auch einen bedeutenden Bestandteil der Einzelhandelsinfrastruktur in den Geschäftszentren und Kiezen Berlins dar. Zur Karstadt-Warenhauskette gehört unter anderem das Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe.
Berggruen: "Aufregender Tag"
Berggruen, der neue Karstadt-Besitzer, sagte in Berlin, es sei "ein aufregender Tag" für ihn. "Es ist auch ein guter Tag für Karstadt, für alle Mitarbeiter und für die Kunden." Er sehe sich "als Arbeiter für Karstadt", sagte Berggruen. "Ich mache das gerne. Zusammen arbeiten wir für die Zukunft von Karstadt."
Berggruen hatte seine endgültige Unterschrift unter den Kaufvertrag für Karstadt von einer deutlichen Minderung der Mieten für die Warenhäuser abhängig gemacht. Highstreet besitzt die meisten der 120 Geschäftsimmobilien. Nach der Einigung wollte das Amtsgericht Essen noch am Freitag den Insolvenzplan billigen.
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