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Analyse der Aufspaltungspläne
Metro – der Ausverkauf der Problemgeschäfte

Düsseldorf. Der Handelskonzern folgt mit seinen Aufspaltungsplänen dem aktuellen Trend in der deutschen Wirtschaft: Mischkonzerne sind out, spezialisierte Unternehmen sind in. Gegen Online-Riesen wie Amazon sahen die Düsseldorfer ohnehin nicht gut aus. Von Antje Höning

Da hat die Metro ihre Aktionäre mit einem hübschen verspäteten Ostergeschenk überrascht: Der Handelskonzern will sich aufspalten: Ein Teil konzentriert sich künftig auf die historischen Wurzeln – mit dem Großhandelsgeschäft Cash&Carry ist die Metro groß geworden. In einen anderen Teil gehen die Elektronikfachmärkte Mediamarkt Saturn. Die Aktionäre sind begeistert.

Das hat etwas mit dem aktuellen Trend zu tun. Derzeit sind Mischkonzerne an der Börse nicht gerne gesehen. Das Argument, auf zwei Beine stehe es sich besser als auf einem, wird erst in der nächsten großen Wirtschaftskrise wieder zählen. Jetzt sind gerade klar spezialisierte Konzerne "in".

Viele Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen spalten sich daher auf oder haben es schon getan: Bayer hat sein Chemiegeschäft (Lanxess, Covestro) abgegeben und ist nun ein Life-Science-Konzern. Evonik hat seine Energie- und Immobilien-Sparte verkauft und tritt als reiner Chemiekonzern an. Eon und RWE spalten sich in diesem Jahr in Zukunfts- und Problemgeschäfte auf.

Problembewältigung per Aufspaltung

Probleme loswerden - das dürfte auch bei der Entscheidung des Metro-Managements eine wichtige Rolle gespielt haben. Anders als in den Sturm- und Drang-Tagen von Mediamarkt Saturn sind die Elektronikmärkte heute Quelle für viel Ärger. Der Dauerstreit mit Miteigentümer Kellerhals bindet kostbare Management-Ressourcen. In der harten Konkurrenz zu Online-Großhändlern wie Amazon sehen die schrillen Märkte nicht gut aus. Nur mit harten Rabattschlachten, die am Gewinn zehren, können sie sich behaupten. Erst verspätet ist der Konzern auf den Digitalzug aufgesprungen, auch wenn Metro-Chef Koch Tempo macht. Aus Sicht der Kern-Metro ist es sinnvoll, die Problemgeschäfte (und den störrischen Kellerhals) loszuwerden.

Der Umbau des Düsseldorfer Traditionskonzerns dürfte damit aber noch lange nicht zu Ende sein. Das Sorgenkind Real, zu dem viele defizitäre SB-Warenhäuser gehören, dürfte nur eine Frage der Zeit sein, der Kaufhof ist bereits weg. Am Ende wird die Metro wieder das, was sie von Anfang an war: ein reiner Großhandelskonzern. Manchmal kann Rückschritt auch Fortschritt sein.

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