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Hektische Rettungsaktion für Citigroup: Angst vor dem zweiten Lehman-Desaster

zuletzt aktualisiert: 24.11.2008 - 11:13

Washington (RPO). Die US-Regierung pumpt weitere 20 Milliarden US-Dollar in die Citigroup, die ehemals größte Bank der Welt. Dabei hatte Washington schon im Oktober 25 Milliarden an die US-Bank verabreicht. Der Markt ließ die Citigroup-Werte dennoch ins Bodenlose fallen. Die Regierung sah sich zu radikalen Schritten gezwungen. Erinnerungen an eine Kettenreaktion wie bei Lehman Brothers wurden wach.

Die Citigroup kämpft ums Überleben.  Foto: AP, AP
Die Citigroup kämpft ums Überleben. Foto: AP, AP

Bis tief in die Nacht verhandelten Vertreter von Staat und Bank. Ergebnis der Beratungen: Die US-Regierung schießt 20 Milliarden US-Dollar liquide Mittel in die Bank. Zudem sind für wackelige Kredite Garantien in der astronomischen Größe von 306 Milliarden Dollar geplant.

Citigroup ist eine der weltweit bekanntesten Banken mit nach Unternehmensangaben über 200 Millionen Kunden in 106 Ländern. Der gute Ruf hat im vergangenen Jahr Schiffbruch erlitten. In der vergangenen Woche hatten die Aktien einen drastischen Kursverfall erlebt - trotz der 25-Milliarden-Spritze aus dem Oktober. Die Regierung hatte damals neun ersten Banken mit insgesamt 250 Milliarden US-Dollar massiv unter die Arme gegriffen.

Ende November zeigt sich: Die Unterstützung ist scheinbar wirkungslos verpufft. Die alarmierenden Meldungen rund um das Finanzinstitut mehrten sich in immer schnellerer Folge. Citigroup hatte erst in der vergangenen Woche angekündigt, weltweit rund 53.000 Stellen zu streichen. Die Bank hatte im dritten Quartal dieses Jahres einen Verlust von 2,8 Milliarden Dollar angegeben und damit das vierte Quartal in Folge rote Zahlen geschrieben. Anschließend wurde über einen teilweisen oder kompletten Verkauf des Finanzinstituts spekuliert.

Die Folge: Die Aktie der Citigroup fiel um 60 Prozent und notierte am Freitag bei 3,77 US-Dollar. Sie hat damit im vergangenen Jahr fast 80 Prozent ihres Börsenwerts eingebüßt. Die Vorzeichen für den Start in die Börsenwoche hätten schlechter nicht sein können.

Massiver Vertrauenseinbruch

Die Bank leidet unter einem massiven Vertrauensverlust. Investoren sind besorgt, dass die vielen unsicheren Kredite bei der Citigroup zu Verlusten werden könnten, wenn die wirtschaftliche Lage noch schlechter wird. Sie zweifeln daran, ob Citigroup im kommenden Jahr seine Schulden bezahlen kann. In seinem Ausmaß erinnert die Krise auf fatale Art und Weise an die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers. Damals zog der Konkurs eine Kettenreaktion nach sich, die die Weltbörsen zum Beben brachte. Das Lehman-Beispiel weckte bei den Markt-Beobachtern böseste Befürchtungen für die Citigroup.

Die Vorzeichen ähneln sich. Alle am Markt wussten: ein Untergang der aktuelle zweitgrößten Bank könnte weitere Institute mit in den Abgrund reißen und horrende Kursverluste im Finanzsektor zur Folge haben – genauso wie es sich bei der Pleite von Lehman  Brothers abspielte.

Die Lehman-Lehren

Auch die US-Regierung hat ihre Lehren aus dem Lehman-Debakel gezogen und greift frühzeitig und hart ein. Angekündigt sind Garantien für bis zu 306 Milliarden Dollar. Sie gelten für riskante, hypothekenbesicherte Krediten, die im Zentrum der Finanzkrise stehen. Zudem wird das Finanzministerium der Citigroup 20 Milliarden Dollar Liquidität bereitstellen.

"Die US-Regierung ist verpflichtet, die Finanzmarktstabilität zu wahren", begründeten Finanzministerium, Notenbank und FDIC ihre Unterstützung für Citigroup. Denn die Stabilität des Finanzsystems sei die Grundvoraussetzung für die Rückkehr auf den Wachstumspfad. Mit der Unterstützung würden alle notwendigen Maßnahmen getroffen, um das Finanzsystem zu stärken sowie die Steuerzahler und die US-Wirtschaft zu schützen, hieß es in der Mitteilung weiter.

Strenge Auflagen

Die Staatshilfe ist für die Citigroup mit einer Anzahl von Auflagen verbunden. Die vierteljährlich gezahlte Dividende darf für die nächsten drei Jahre 1 Cent pro Aktie nicht übersteigen. Gegenwärtig zahlt die Bank 16 Cent pro Aktie, im Vorquartal waren es sogar 32 Cent. Außerdem werden die Einkommen der Bankmanager einschließlich ihrer Bonuszahlen begrenzt.

Die US-Regierung gab der Citigroup zudem auf, in die Klemme geratenen Hausbesitzern zu helfen. Durch entsprechende Änderungen der Hypothekenbedingungen sollen Zwangsversteigerungen verhindert werden.

Analysten halten die Citigroup für die derzeit verwundbarste der großen US-Banken. Allerdings sei das Geldhaus so in das gesamte Finanzsystem verwoben, dass die Politik es als "zu groß zum Scheitern" sehe und deshalb die massiven Hilfen gewährt habe. Ein Kollaps der Citigroup könnte verheerende Folgen für das bereits brüchige Finanzsystem und die US-Wirtschaft haben, erklären Experten.

Zumindest der deutsche Aktienmarkt startete am Montag freundlich nach den Nachrichten aus Übersee. Der DAX legte in den ersten Handelsminuten 1,5 Prozent auf 4186 Punkte zu. Der MDAX stieg um 2,7 Prozent auf 4861 Zähler und der TecDAX gewann 3,1 Prozent auf 446 Punkte. Händler verwiesen auf gute Vorgaben aus den USA. Neben der Schlussrallye im Dow-Jones-Index am Freitag wirke sich auch die Aussicht auf eine Rettung der Citigroup in den USA positiv auf den Handel aus.

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.


 
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