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Instabiler Dax: Angstbarometer Börse

VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 25.08.2010 - 11:08

Frankfurt/New York (RPO). Deutschland jubelt über die guten Konjunkturdaten - nur die Börse nicht. Nach der Krise bestimmt den Deutschen Aktienindex vor allem eins: die Angst. Und so ist der Dax seit Monaten von einem Auf und Ab geprägt, ungeachtet der vollen Auftragsbücher der Unternehmen. Das zeigen auch die aktuellen Vorgaben aus den USA.

Es ist ein Teufelskreis. Sinken die Kurse in den USA, ziehen die in Asien und Europa nach und umgekehrt. Und so war es auch am Dienstag und Mittwoch. Die Stimmung an der New Yorker Wall Street war bereits durch schwache Vorgaben aus Asien und Europa getrübt - bis schwache Immobiliendaten der USA den Kurs zusätzlich belasteten. Und dies wiederum ließ auch die Werte außerhalb der USA sinken.

Das Resultat: Die Börsen schlossen mit einem deutlichen Minus. Der Dax fiel unter 6000 Punkte, der Dow Jones schloss ebenfalls deutlich im Minus, und der Nikkei in Tokio fiel am Mittwoch auf ein 16-Monatstief. Und das Spiel setzte sich am Mittwochmorgen auch in Deutschland fort. Nach Handelsbeginn gab der Dax erneut einige Punkte nach.

Schlechte Immobiliendaten

Es ist Angst, die an den Börsen umgeht. Die Angst vor der Abschwächung der sich gerade erholenden Konjunktur, die Angst vor einer Inflation. Das zeigt vor allem die jetzige Reaktion der Börsen. Denn es waren auch schlechte Immobilienwerte aus den USA, die die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise ausgelöst hatten.

Nun gibt es erneut schlechte Immobiliendaten - und die Anleger sind erneut in Furcht. "Der Höhenflug dank der fulminanten Berichtssaison und den imposanten Wirtschaftsdaten aus Deutschland weicht damit der neuen Sachlichkeit aus Rezessionsängsten und Risikoabneigung", sagt etwa der Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank dem "Spiegel".

Dabei haben die deutschen Unternehmen derzeit gut lachen. Die Auftragsbücher füllen sich wieder vermehrt, viele Betriebe fahren die Kurzarbeit zurück, die Konsumlaune der Verbraucher ist gut. Doch das alles wollen die Anleger scheinbar nicht sehen. Statt auf die eigene Konjunktur zu schauen, geht der Blick in die anderen Länder - schließlich war auch die Krise eine Art internationale Kettenreaktion.

Dies macht die Börse zum Problemfall. Denn trotz aller Spekulationen war der Leitindex Dax vor der Krise ein zuverlässiger Indikator für die wirtschaftliche Lage in Deutschland. Doch inzwischen sind es vor allem schlechte Nachrichten, die den Aktienmarkt bestimmen.

So wirkt die Frankfurter Anzeigetafel - vor allem in diesem Jahr - wie eine Art hektische Fieberkurve. Es geht bergauf und dann sofort wieder bergab. Eine wirklich langfristige Aufwärts- (oder auch Abwärts-)bewegung hat der Dax schon lange nicht mehr gesehen.

Spekulationen überall

Das macht es auch für Anleger schwer, den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden – und verschärft die Spirale. Denn viele haben sich nach der Krise zunächst aus dem Aktienmarkt geflüchtet. Den richtigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg gab es aber vor allem für den kleinen Anleger, der nicht zu den großen Finanzexperten gehörte, bisher nicht wirklich.

Die Wirtschaft wird sich daher andere Indikatoren suchen müssen, um die wirkliche konjunkturelle Lage vorher zu ahnen. Denn Spekulationen und die Angst werden die Börse auch in Zukunft bestimmen. Das zeigt etwa auch der Rohstoffmarkt, der vermehrt von Spekulationen als von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. So etwa, als Russland nach den Waldbränden einen Exportstopp für Weizen erließ und die Preise daraufhin sofort in die Höhe schnellten. Dabei gab es noch gar keine Versorgungsknappheit.

So sagt auch der Agrarökonom Joachim Braun im Interview mit dem "Spiegel", der spekulative Einsatz von Finanzkapital treibt die Preise zusätzlich in die Spitze. Braun stellt zudem fest, dass man sich generell auf stark schwankende Preise einstellen müsse.

Und so wird es wohl auch an der Börse sein. Das stetige Auf und Ab wird uns noch lange begleiten. Denn die Angst hat einen stärkeren Einfluss auf die Entscheidungen der Anleger als die real existierenden ökonomischen Tatsachen.


 
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