Untreueverdacht: Anklage gegen früheren WestLB-Chef Sengera erhoben
zuletzt aktualisiert: 25.06.2007 - 13:05Düsseldorf (RPO). Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der WestLB, Jürgen Sengera, Anklage wegen Untreue in einem besonders schweren Fall erhoben. Er soll dem Vermögen des Unternehmens pflichtwidrig geschädigt haben.
Dem 64-Jährigen werde vorgeworfen, im Jahr 1999 ohne ausreichende Risikoprüfung die Bewilligung eines ausfallgefährdeten Kredits in Höhe von 1,35 Milliarden Euro an die britische Boxclever-Gruppe bewirkt, teilte Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg am Montag in Düsseldorf mit.
Das Darlehen sollte den Zusammenschluss zweier britischer Unternehmen auf dem Gebiet der Vermietung von Fernseh- und Haushaltsgeräten an Privathaushalte finanzieren. Der Angeschuldigte war laut Staatsanwaltschaft zum Tatzeitpunkt als Vorstandsmitglied der WestLB für das international ausgerichtete Spezialfinanzierungsgeschäft verantwortlich. Bei der Kreditvergabe solle er eine durch die Abteilung "Zentrales Kreditmanagement" eingeforderte Risikoeingrenzung durch eine Überprüfung der Leistungsfähigkeit von Boxclever nicht umgesetzt haben.
Aufgrund der im Jahr 2003 eingetretenen Insolvenz der Firma Boxclever erlitt die WestLB den Angaben zufolge bis zum heutigen Tag aus den fehlgeschlagenen Kreditengagement einen wirtschaftlichen Schaden von rund 427 Millionen Euro.
Das Verfahren gegen drei weitere Beschuldigte der WestLB mit Niederlassung in London wegen Beihilfe zur Untreue ist laut Staatsanwaltschaft gegen Zahlungsauflagen in Höhe von einer Million Euro, 270.000 Euro und 90.000 Euro eingestellt worden.
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