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Papier verlor fast acht Prozent: Anleihe-Pläne: BVB-Aktie unter Druck

zuletzt aktualisiert: 22.12.2003 - 13:39

Frankfurt/Main (rpo). Die Aktie von Borussia Dortmund ist durch die Pläne des Vereins zur Aufnahme einer 100-Millionen-Euro-Anleihe erheblich unter Druck geraten. Der Verein will damit eine Liquiditätslücke stopfen. Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat den Schritt kritisiert.

"Wir sehen es nicht gerne, wenn die Zukunft eines Vereins quasi verpfändet wird, weil dann die Ertragskraft dieses Vereins durch die hohen Rückzahlungsverpflichtungen natürlich belastet wird", sagte Wilfried Straub, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, auf sid-Anfrage.

Die Aktie des einzigen börsennotierten Klubs der Bundesliga geriet am Montag unter Druck. Bis zum frühen Nachmittag verlor das Papier an der Frankfurter Börse über 10 Prozent und gehörte damit zu den größten Verlierern des Handelsverlaufs. Die BVB-Aktie notierte kurz nach 13.00 Uhr auf ihrem Tagestiefstkurs bei 3,37 Euro, nachdem der Eröffnungskurs bei 3,67 Euro taxiert worden war. Am Freitagabend hatten Dortmunder Anteilsscheine zu Börsenschluss bei 3,76 Euro gestanden. Bei Ausgabe der Aktie hatte der Kurs Ende Oktober 2000 exakt 11,00 Euro betragen.

50 Millionen Euro weniger Einnahmen

Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung und des Fachblattes kicker muss der sechsmalige deutsche Meister in der laufenden Saison Aufgrund des Verpassens der Champions-League-Vorrunde, geringerer TV-Einnahmen und des frühzeitigen K.o. im Uefa-Cup sowie weiterer finanziellen Forderungen mit Mindereinnahmen in der Größenordnung von 50 Millionen Euro gegenüber 2002/2003 rechnen. BVB-Manager Michael Meier bezeichnete die gemeldeten Zahlen als "falsch".

Allerdings führt der westfälische Traditionsklub Verhandlungen mit der englisch-amerikanischen Investmentbank "Schlechter & Co. Ltd"; die Anleihe soll eine Laufzeit von zwölf Jahren haben. Meier: "Wir stehen aufgrund der Mindereinnahmen in der Pflicht, nach Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen." Zugleich jedoch dementierte Meier Pläne für den Einsatz künftiger Zuschauereinnahmen als Pfand. Im April diesen Jahres hatte Schlechter mit Dortmunds Revierrivalen Schalke 04 eine 75-Millionen-Euro-Anleihe vereinbart, wobei Teile der Zuschauer-Einnahmen der "Königsblauen" für die kommenden 23 Jahre "verpfändet" wurden.

Straub deutete an, dass die DFL nur bedingt in solche Klub-Transaktionen eingreifen könne. "Grundsätzlich sagen wir als Liga, dass kaufmännische Prinzipien auch im Fußball nicht verletzt werden sollen. Die Interpretation dieser Prinzipien zu beeinflussen haben wir über das Lizenzierungsverfahren nur bedingt in der Hand", meinte der erfahrene DFL-Geschäftsführer: "Wir sehen es nicht gerne, wenn die Zukunft eines Vereins verfrühstückt wird. In Schalke haben wir der Anleihe zugestimmt, weil sie zur Umschuldung genutzt wurde, denn die Banken werden mit ihrer Kreditvergabe immer strenger und es geht nicht an, jedes Jahr vor der Lizenzvergabe neu über Kreditlinien verhandeln zu müssen. Das ist aber etwas anderes als wenn mit einer Anleihe neue Risiken eingegangen werden sollten."

Deal noch nicht in trockenen Tüchern

Um Verständnis für die Dortmunder Macher bat Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser: "Niebaum und Meier sind korrekte und fähige Kaufleute. Die Situation der Borussia ist mit der von Leverkusen auf Grund der vergangenen Saison zu vergleichen. Der Umsatzrückgang durch die Kirch-Krise und das Verpassen der Champions League kann bis zu 40 Prozent des Etats betragen. Es bedarf einer dreijährigen Kraftanstrengung, um dies auszugleichen."

Borussias Präsident Gerd Niebaum sagte der Westfälischen Rundschau: "Es ist eine Verpflichtung, dass wir uns darauf einstellen, in den nächsten zwei Jahren nicht in der Champions League zu spielen und trotzdem über einen ausreichenden Handlungsspielraum zu verfügen." Laut des BVB-Bosses sei der Deal mit dem Investmentbanker Stephan Schlechter allerdings noch nicht in trockenen Tüchern: "Dass wir uns in konstruktiven Gesprächen befinden, spricht für die Attraktivität von Borussia Dortmund und ist aus meiner Sicht positiv zu bewerten."

Allerdings ist die finanzielle Situation der Schwarz-Gelben mehr als angespannt. Immerhin gab die Borussia zuletzt 67,684 Millionen Euro allein Gehältern aus. Außerdem fehlen den Dortmundern die lukrativen Champions-League-Einnahmen, die in der vergangenen Saison immerhin 33,7 Millionen Euro ausgemacht hatten.

Zahlen der Rekordsaison nicht zu erreichen

Bis zum Jahr 2017 müssen außerdem jährlich zwischen 14,6 und 17,5 Millionen Euro für Miete, Darlehen oder Fondsrenditen aufgebracht werden. Die Zahlen der Bilanz-Rekordsaison 2002/2003 (162,3 Millionen Euro) sind zudem diesmal nicht zu erreichen. Die BVB-Profis hatten zwar nach einer 20-prozentigen Gehaltsreduzierung zugestimmt, doch dies reicht allein offenbar nicht.

Verschlechert soll sich die wirtschaftliche Situation des BVB zusätzlich durch einen 2001 geschlossenen Kontrakt mit dem AC Parma. Darin verpflichteten sich die Dortmunder, die im Zuge der Verpflichtung von Marcio Amoroso abgetretenen Transferrechte am Spieler Evanilson im Sommer dieses Jahres zurückzukaufen. 15 Millionen Euro musste die Borussia deshalb an den italienischen Klub zahlen. Die Verabredung zwischen Parma und Dortmund diente offenbar dazu, um in der Borussen-Jahresbilanz 2000/01 einen Verlust von fast 20 Millionen Euro zu kaschieren. Meier dementierte: "Das war kein Geheimvertrag. Die Vereinbarung ist durch alle Gremien gegangen."


 
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