4000 Arbeitslosen-Anträge in einer Woche erwartet: Ansturm bei Arbeitsagentur nach Quelle-Pleite
zuletzt aktualisiert: 26.10.2009 - 18:40Nürnberg (RPO). Tausende Quelle-Mitarbeiter stehen vor der Arbeitslosigkeit. Mit dem Aus für das Versandhaus rollt die größte Entlassungswelle in der Geschichte der Bundesrepublik auf die Arbeitsämter zu.
Bereits am Montag hätten sich bei der Arbeitsagentur in Nürnberg rund 800 arbeitslose Versandhaus-Mitarbeiter gemeldet, sagte der Chef der Regionaldirektion Bayern der Bundesanstalt, Rainer Bomba. Bis zum kommenden Wochenende würden die Arbeitslos-Meldungen von rund 4000 Quelle-Mitarbeitern erwartet.
Ein so großer Ansturm sei bisher einzigartig. Die Arbeitsagentur hat deshalb zur schnelleren Bearbeitung der Anträge eigens eine Außenstelle mit 150 Mitarbeitern im Quelle-Versandzentrum in Nürnberg eingerichtet. Sie soll zunächst eine Woche bestehen bleiben. "Unser Ziel ist, den Quelle-Mitarbeitern schnell und pragmatisch Hilfe zukommen zu lassen", sagte Bomba.
Parallel zu den Angeboten der Arbeitsagentur lief am Montag nach Angaben von Nürnbergs Oberbürgermeisters Ulrich Maly auch eine Wohnungs- und Wohnungsgeldbetreuung sowie die psychologische Krisenambulanz im Quelle-Versandzentrum an. Für viele sei Quelle der Lebensinhalt gewesen, sagte Maly. Diese Menschen bräuchten jetzt eine Anlaufstelle.
Psychologische Krisenambulanz gefragt
Ungewiss ist nach wie vor, ob es eine Beschäftigungsgesellschaft für die gekündigten Quelle-Mitarbeiter geben wird. Der Insolvenzverwalter könne nur für einen kleinen Teil der Betroffenen das dafür notwendige Geld aufbringen, sagte dessen Sprecher Thomas Schulz. Doch sei man in Gesprächen mit der bayerischen Landesregierung.
Auch den osteuropäischen Tochtergesellschaften der insolventen Primondo-Gruppe droht unterdessen nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" möglicherweise der Kollaps. Wie das Blatt unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person schreibt, sind die Gesellschaften, zu denen auch Quelle Österreich gehört, nur noch eingeschränkt lieferfähig. In manchen Bereichen könne gerade noch eine von drei Bestellungen ausgeführt werden, weil die Lager nicht mehr ausreichend mit Waren gefüllt seien, hieß es.
Der Sprecher des Insolvenzverwalters bestätigte der AP, dass die Lieferquote gesunken sei. Doch sei dies nur in einem Ausmaß erfolgt, das nach Angaben von Experten im Versandhandel "noch darstellbar" sei.
Hoffnung für Karstadt
Während Quelle also vor der Abwicklung steht, sieht Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nach wie vor gute Chancen für eine Rettung der Arcandor-Warenhaustochter Karstadt. "Das Geschäft ist positiv und liegt über Plan", sagte Görg in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er halte nach wie vor an dem Ziel fest, die mehr als 100 Karstadt-Häuser als Ganzes abzugeben.
Der Insolvenzverwalter betonte, es gebe Interessenten aus dem In- und Ausland. Er wolle die Eckpunkte seines Sanierungskonzeptes auf der Gläubigerversammlung im November vorstellen. "Ich hoffe, dass die Gläubiger zustimmen, damit wir dann noch vor Weihnachten Klarheit über das Insolvenzplanverfahren haben. Dann kann auch der förmliche Verkaufsprozess beginnen", meinte Görg.
Von der Arcandor-Pleite sind nach seinen Worten rund 75.000 Gläubiger betroffen. Unter ihnen sind auch Tausende Beschäftigte des Konzerns.
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