Unternehmen unter Verdacht: Apobank beruft zwei Vorstände ab
VON THORSTEN BREITKOPF UND ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 03.11.2010 - 08:54(RP). Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Mitarbeiter wegen Bestechlichkeit bei Immobiliengeschäften. Die Vorstände Stefan Mühr und Claus Verfürth müssen gehen. Damit Mitarbeiter auspacken, legt die Bank ein Amnestie-Programm auf. Kunden wurden nicht geschädigt, sagt die Bank.
Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank kommt nicht zur Ruhe. Schon in der Finanzkrise wurde der damalige Vorstand der Bank verklagt, die sich auf Finanzdienstleistungen für Ärzte, Apotheker und andere Heilberufler spezialisiert hat. Nun stehen Mitarbeiter der Bank im Visier der Justiz, die nun wegen Bestechlichkeit ermittelt.
Der Aufsichtsrat der Bank berief am Montag die Vorstände Stefan Mühr (44) und Claus Verfürth (42) mit sofortiger Wirkung ab. Insgesamt sei maximal eine kleine zweistellige Zahl von Mitarbeitern der Apobank in den Fall verwickelt, erklärte das Haus.
In Verdacht geraten waren Apobank-Mitarbeiter im Zuge einer mutmaßlichen Betrugsaffäre bei der Leipziger Firma Licon, die auf Luxussanierungen von Altbauten spezialisiert ist. Der Stein kam ins Rollen, weil einer der drei Licon-Geschäftsführer, der in den USA lebende Jürgen Henning, seine Kollegen angezeigt hatte.
"Wir ermitteln wegen eines Anfangsverdachts gegen Mitarbeiter der Apobank", bestätigte gestern Wolfgang Klein, Sprecher der ermittelnden Generalstaatsanwaltschaft Dresden, auf Anfrage. Die Mitarbeiter sollen den Apobank-Kunden bevorzugt Licon-Wohnungen vermittelt und die Wohnungen anderer Immobilienfirmen außen vor gelassen haben. Dafür sollen Apobank-Mitarbeiter von Licon Schmiergelder erhalten haben, so der Verdacht.
"Die Räume der Apobank sind bereits durchsucht worden. Wir stehen bei den Ermittlungen erst am Anfang", so Klein. Mitarbeiter der Firma Licon sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Der Justiz-Sprecher betonte, dass sich die Vorwürfe nicht gegen die Apobank selbst, sondern gegen bestimmte Mitarbeiter richteten.
Die Tatsache, dass die Generalstaatsanwaltschaft anstelle der Staatsanwaltschaft untersucht, deutet darauf hin, dass es sich um einen größeren Fall handelt. Die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft kümmert sich nur um ausgesuchte und besonders umfangreiche Fälle. In ihr arbeiten Polizei, Wirtschaftsfachleute und Steuerfachleute zusammen. Auch die Finanzaufsicht Bafin hat sich bereits in den Fall eingeschaltet.
Altbau-Wohnungen sind wegen der mit ihnen verbundenen Steuervorteile für viele Gutverdiener attraktiv. Knapp 600 Apobank-Kunden – meist Ärzte und Zahnärzte – hätten in den vergangenen drei Jahren rund 270 Millionen Euro in diese Projekte gesteckt, sagte gestern Apobank-Vorstandschef Herbert Pfennig. Die Bank habe dafür sechs Prozent Provision erhalten. Derzeit liege das Neugeschäft auf Eis.
Pfennig betonte: "Bisher hat kein Kunde einen Schaden erlitten." Im Zweifel werde die Bank dafür sorgen, dass kein Kunde einen finanziellen Nachteil durch diese Vorfälle erleide. Auch gebe es noch keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Bank selbst einen finanziellen Schaden erlitten habe. "Ich bedauere zutiefst, dass in unserer angesehenen Bank Unregelmäßigkeiten stattfinden konnten", so Pfennig weiter. "Wir werden nicht eher ruhen, bis wir sicher sein können, wieder eine saubere Apobank zu haben."
Er setzte eine interne Kommission ein, die nun die Vorgänge untersuchen soll. Damit möglichst viele Mitarbeiter auspacken, startet die Apobank nun ein Amnestieprogramm für alle Mitarbeiter. Wer freiwillig, wahrheitsgemäß und vollständig über mögliche Gesetzesverstöße informiere, müsse keine Schadenersatz-Klagen oder Kündigungen befürchten.
Erste Ergebnisse deuten laut Pfennig bereits daraufhin, dass einzelne Mitarbeiter unter Verdacht ständen, unerlaubt persönliche Vorteile erhalten zu haben. Dazu gehört Vorstand Stefan Mühr, gegen den die Dresdner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ermittelt. "Herr Mühr sagt, es wäre nicht so, aber es gibt genügend Hinweise", sagte Pfennig.
Mühr arbeitet seit 25 Jahren für die Bank. Der ebenfalls entlassene Privatkunden-Chef Claus Verfürth stehe selbst nicht im Fokus der Ermittlungen, er habe aber die Verantwortung für die Vorkommnisse übernommen, die in seinem Geschäftsbereich stattfanden, so der Vorstandschef. Verfürth arbeitet seit 1996 für die Bank.
In den Vorstand rückt nun Thomas Siekmann (45) auf, der zuletzt für das Risikomanagement zuständig war. Der zweite neue Mann ist Bernd Span (55), bis Anfang 2009 für wenige Monate Vorstandssprecher der Oldenburgischen Landesbank.
Mühr und Verfürth sind bereits die zweite Generation im Vorstand, die die Apobank verlassen muss. In der Finanzkrise musste die Bank wegen ihres großen Engagements in Schrott-Papieren ("strukturierte Wertpapiere") mit Hunderten Millionen Euro gestützt werden. Der komplette damalige Vorstand wurde verklagt. Pfennig hat die Führung der Bank Anfang 2009 übernommen.
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