Deutsche Post: Appel Favorit für Zumwinkel-Nachfolge
zuletzt aktualisiert: 15.02.2008 - 18:06Hamburg (RPO). Frank Appel gilt als Favorit für die Nachfolge des scheidenden Post-Chefs Klaus Zumwinkel. Bereits am Montag könnte er zum neuen Vorstandschef der Deutschen Post ernannt werden. Sein Vorgänger Zumwinkel hatte Appel bereits in den letzten Monaten als Kronprinz aufgebaut.
Appels Ernennung könnte bereits am Montag erfolgen. Aus der Umgebung des Konzerns hieß es, der 20-köpfige Aufsichtsrat der Deutschen Post werde in Bonn zu einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung zusammenkommen.
Appel gilt als Ziehsohn Zumwinkels und wurde von diesem bereits seit geraumer Zeit als Nachfolger aufgebaut. Zumwinkel wollte die Konzernführung ursprünglich im November abgeben. Als weiterer Nachfolgekandidat ist auch Finanzvorstand John Allan im Gespräch. Insider halten die Besetzung des Chefpostens bei der Deutschen Post durch einen Ausländer jedoch aus politischen Gründen für wenig wahrscheinlich.
Der 46-jährige Appel gilt zudem als natürlicher Favorit für das Erbe des zurückgetretenen Post-Chefs Klaus Zumwinkel. Appel kennt den Konzern inzwischen seit vielen Jahren. Im Jahr 2000 holte Zumwinkel den Mann mit dem schmalen Gesicht und den dunklen Augen aus der Geschäftsführung der Beratungsfirma McKinsey zur Post.
Seit 2002 sitzt Appel im Vorstand. Im Oktober 2007 übernahm der gebürtige Hamburger im Vorstand die Verantwortung für das Logistikgeschäft mit weltweit rund 160.000 Beschäftigten und 25 Milliarden Euro Umsatz. Appel selbst wiegelte damals ab, wenn er nach seiner Rolle als Kronprinz gefragt wurde. Das sei Spekulation, er konzentriere sich darauf, "meine Arbeit so gut zu machen, wie ich es eben kann".
Bei dieser Arbeit wird oft seine Fähigkeit zur exakten Analyse gepriesen. Diese Gabe könnte sich auch aus seinem naturwissenschaftlichen Hintergrund speisen. In seiner Heimatstadt Hamburg studierte der Manager Chemie. Bevor er als Unternehmerberater zu McKinsey ging, promovierte Appel 1993 in Zürich im Fach Neurobiologie zum Thema "Das Zusammenwachsen von Nervenzellen nach Unfällen".
Sollte die Wahl tatsächlich auf Appel fallen, bekäme die Post zudem einen Chef, der Integrität und Nähe zu den Mitarbeitern für sich in Anspruch nimmt. "Ich gehe nicht morgens von zu Hause weg und wechsele den Anzug und sage, jetzt bin ich Manager, und wenn ich abends zur Familie komme, bin ich dann wieder ein anderer Mensch", sagte Appel einmal, der sich lange gegen einen großen Dienstwagen wehrte.
Als er einmal seinen Volvo-Kombi auf den Vorstandsparkplatz abstellen wollte, wird erzählt, verweigerte der Pförtner ihm die Zufahrt, da die Chefetage normalerweise mit Autos aus einer anderen Preisklasse vorfährt.
Appel fordert, ein Mensch müsse "konsistent" sein, zwischen Manager und Privatmensch dürfe es keinen Unterschied geben. Zudem findet er, Eltern müssten Vorbild für ihre Kinder sein. Appel wohnt mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern in Königswinter bei Bonn, wo er seine freien Wochenenden verbringt. Die freien Tage dürften im Falle einer Berufung zum Konzernchef weniger werden.
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