Metallindustrie: Arbeitgeber bespitzeln ihre Lehrlinge
zuletzt aktualisiert: 14.06.2008 - 16:29Frankfurt/Main (RPO). In der Metall- und Elektroindustrie werden offenbar private Daten von Auszubildenden erfragt. So verschickt der Bildungsträger Berufliche Bildung GmbH im Auftrag des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall seit einigen Wochen Listen mit knapp 40 Fragen an Lehrlinge, die teils weit ins Persönliche reichten, schreibt das Nachrichtenmagazin "Spiegel".
Die Reaktion des Arbeitgeberverband Südwestmetall kam prompt. Der Verband hat sich gegen die Vorwürfe verwahrt. Einigen Lehrlingen werde ein Fragebogen vorgelegt, der tatsächlich tief in den persönlichen und familiären Bereich hineinreiche, hieß es. Diese Befragungsaktion sei aber eingebettet in ein großangelegtes Forschungsprojekt und werde absolut anonym und freiwillig durchgeführt. Der Verband reagierte damit auf einen "Spiegel"-Bericht, in dem die Anonymität in Frage gestellt worden war.
Bei den betreffenden Auszubildenden handelt es sich um Jugendliche, die vom Bildungsträger BBQ, einer Tochter des Bildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft, betreut werden. Sie sollen zu Beginn und gegen Ende ihrer Ausbildung befragt werden. Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem Erwerb nicht-kognitiver Fähigkeiten und den damit verbundenen ökonomischen Konsequenzen. Südwestmetall arbeitet bei dem Projekt mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zusammen.
Der Geschäftsführer des Bildungswerks, Stefan Küpper, bestätigte auf AP-Anfrage, dass zu Beginn des Fragebogens die Personen- sowie die Schul- oder Unternehmensnummer erfragt würden. Dies diene ausschließlich dazu, dass die Mitarbeiter des ZEW den Anfangs- und den Endfragebogen dem jeweiligen Befragten zuordnen könnten und lasse keinerlei Identifizierung zu. "Weder Südwestmetall noch die Mitarbeiter des Bildungsträgers BBQ noch die Unternehmen bekommen einen Einblick in die Fragebögen", erklärte er. "Nur die ZEW-Projektmitarbeiter bekommen einen Zugang zu den ausgefüllten Fragebögen, haben ihrerseits aber keine Decodierungsmöglichkeit der Personen- und der Unternehmensnummern."
Gefragt wird unter anderem, ob der Auszubildende Kirchen oder Moscheen besucht, ob er in den letzten zwölf Monaten Zigaretten, Alkohol, Cannabis oder Kokain konsumiert hat, welche Ausbildung die Eltern haben oder welche Medien genutzt werden. Auch die finanzielle Situation des Elternhauses ist von Interesse.
"Uns ist durchaus bewusst, dass die in dem Fragebogen enthaltenen Fragestellungen tief in den persönlichen und familiären Bereich der Auszubildenden hineinreichen", erklärte Küpper. Dies sei notwendig, um gesicherte Erkenntnisse über die Bedeutung nicht-kognitiver Fähigkeiten und des persönlichen und familiären Umfeldes für den Ausbildungserfolg zu gewinnen. BBQ wolle auch wissen, ob die ergriffenen Maßnahmen und die Betreuung den Jugendlichen helfe oder nicht.
Die Befragungsaktion begann nach seinen Angaben im März; betroffen sind etwa 2.500 Auszubildende. Sie seien über das Ziel der Befragung, die Anonymität und die Freiwilligkeit ausführlich informiert worden, betonte Küpper.
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