Opel-Sparpaket: Arbeitnehmer stellen Bedingungen
zuletzt aktualisiert: 23.11.2008 - 15:24Bochum (RPO). In der Diskussion um Sparmaßnahmen bei dem Autohersteller Opel haben jetzt die Arbeitnehmer ihre Bedingungen genannt. "Einen Beitrag der Arbeitnehmer machen wir von der Vorlage eines transparenten Geschäftsmodells für Europa abhängig", sagte der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz dem "Handelsblatt".
Unterdessen erklärte der Präsident von General Motors (GM) Europa, Carl-Peter Forster, dass auf die GM-Tochter Opel zwar "harte Zeiten" zukämen, aber: "Werksschließungen, Werksverkäufe oder Arbeitsplatzabbau stehen dabei nicht auf der Tagesordnung."
Forster sagte der "Welt am Sonntag" weiter, dass er derzeit in Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern stehe. Dabei gehe es um die Frage, wie das Unternehmen "noch effizienter werden" könne. Die derzeitige Marktsituation fordere "Einschnitte" und Zugeständnisse von allen Beteiligten.
Die Arbeitnehmer haben bereits entsprechende Vorschläge entwickelt. Nach Angaben von Franz ist auch eine Beteiligung der Mitarbeiter an Opel möglich. Zumindest müsse das Geschäft von GM in Europa auf neue Füße gestellt werden und dieser Schritt, ebenso wie eine mögliche Bürgschaft, vertraglich abgesichert werden. Ohne ein Entgegenkommen würden die Arbeitnehmer freiwillig keinen Cent zur geplanten Senkung der Strukturkosten in Europa beitragen.
Seit Anfang November verhandelt das Management mit der Belegschaft über ein Sparpaket, mit dem die Strukturkosten um 750 Millionen Dollar gesenkt werden sollen. Die Führung der deutschen GM-Tochtergesellschaft bemüht sich zugleich um eine Milliarden-Bürgschaft von Bund und Ländern, um sich gegen eine drohende Zahlungsunfähigkeit des Mutterkonzerns zu wappnen.
Opel-Chef Hans Demant hatte vor wenigen Tagen klargestellt, dass der Konzern das Sparpaket in Europa unabhängig von den möglichen Staatsbürgschaften für den Rüsselsheimer Autobauer brauche, um sich auf den erwarteten Nachfragerückgang im kommenden Jahr einzustellen. Das Management verhandelt deshalb momentan mit dem Betriebsrat über ein Bündel von Maßnahmen. Dazu zählen eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden, eine Nullrunde für die Beschäftigten, der Wegfall von Bonuszahlungen für Manager und das Zurückholen von ausgelagerten Arbeiten, um Arbeitsplätze zu sichern.
Der US-amerikanische Mutterkonzern lotet derzeit alle Möglichkeiten aus, um die dramatischen Liquiditätsprobleme unter Kontrolle zu bringen. Einem Bericht des "Wall Street Journals" vom Wochenende zufolge erwägen die Mitglieder des Leitungs- und Kontrollgremiums von GM auch einen möglichen Antrag auf Gläubigerschutz. Damit brächten sich die Mitglieder in Opposition zum GM-Geschäftsführer Rick Wagoner.
Wagoner hatte in dieser Woche vor dem US-Kongress erklärt, GM sei der Meinung, ein Antrag auf Gläubigerschutz sei keine Alternative für den Automobilkonzern. Stattdessen konzentriere sich GM darauf, die Politik zu überzeugen, finanzielle Unterstützung zu gewähren. In einer jetzt an die Zeitung gesendeten Stellungnahme erklärte GM, die Geschäftsführung habe die Möglichkeit einer Insolvenz diskutiert, sei aber der Meinung, dies sei keine brauchbare Lösung für die Liquiditätsprobleme des Konzerns.
GM kämpft seit einiger Zeit mit großen Absatzproblemen und hat drastische Sanierungsmaßnahmen beschlossen. Die Marke Hummer soll verkauft werden, außer den Marken Chevrolet und Cadillac stehen alle weiteren fünf Marken des Konzerns derzeit zur Disposition. Nach eigenen Angaben reicht die Liquidität des Autoherstellers nur bis zur ersten Jahreshälfte 2009. Schätzungen zufolge schreibt der Konzern derzeit einen monatlichen Verlust von einer Milliarde Dollar.
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