Große Not beim Handelsriesen: Arcandor fühlt wegen Staatshilfen vor
VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 11.04.2009 - 09:17Essen (RP). Noch immer rätselt so mancher im deutschen Einzelhandel darüber, was den ehemaligen Telekom-Finanzvorstand Karl Gerhard Eick dazu bewogen haben könnte, Chef von Arcandor (früher KarstadtQuelle) zu werden. Vergnügungssteuerpflichtig ist der Job an der Spitze des Handels- und Touristikkonzerns sicherlich nicht.
Welche Herkules-Aufgabe vor dem Manager liegt, zeigte jüngst sein Eingeständnis, Arcandor könne ohne die Unterstützung der Banken nicht bestehen. Das hatte Eick schon bei der Hauptversammlung vor drei Wochen eingeräumt. Jetzt sind sogar Staatsgarantien in dreistelliger Millionenhöhe im Gespräch. "Herr Eick führt Gespräche in Berlin, um sich wie viele andere vernünftige Unternehmenslenker auch über alle Optionen staatlicher Förderprogramme zu informieren", sagte ein Arcandor-Sprecher und bestätigte einen Bericht der "Financial Times Deutschland".
Arcandor ist mit Sicherheit nicht das einzige Unternehmen außerhalb der Bankbranche, das derzeit über die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen nachdenkt – schließlich steht ein Topf von 100 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Essener müssen allerdings schnellstmöglich entscheiden, ob sie eine andere Lösung für ihre Probleme finden oder tatsächlich den Bund anzapfen wollen. Die Not ist deshalb groß, weil im Juni die nächste Verhandlungsrunde mit den Kredit gebenden Banken ansteht, und dabei geht es um 650 Millionen Euro, die fällig werden.
Arcandor hat im abgelaufenen Geschäftsjahr fast 750 Millionen Euro Verlust gemacht. Der Cash-flow ist deutlich negativ. Eick hatte die Lage bei der Hauptvesammlung als "bedenklich" bezeichnet. Zu Arcandor gehören neben dem touristischen Aushängeschild Thomas Cook die Karstadt-Warenhäuser und das unter dem Namen Primondo gebündelte Versandhandelsgeschäft.
Womöglich könne der Konzern davon profitieren, dass die Bundesregierung in den nächsten Monaten mit Blick auf die Bundestagswahl im September keinem großen traditionsreichen deutschen Unternehmen die Hilfe verweigern werde, hieß es. Allein diese Aussicht hat der Aktie am Donnerstag offenbar wieder ein wenig Auftrieb gegeben, nachdem der Kurs am Tag davor um 15 Prozent abgestürzt war.
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