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Streit um Endlager: Atommüll spaltet Frankreich

VON KARIN FINKENZELLER - zuletzt aktualisiert: 24.08.2009 - 09:40

Paris (RP). 40 Bürgermeister zeigten Interesse, ein Endlager in ihrer Gemeinde einzurichten – die Kommunen wären reich geworden. Nun sind nach Protesten alle Zusagen zurückgezogen. Frankreich weiß nicht, wohin mit seinem Atommüll.

Die Nachricht machte François-Michel Gonnot erst sprachlos, dann wütend. Von einer "Hetzkampagne" sprach der sonst betont freundlich auftretende Chef der staatlichen französischen Agentur für die Beseitigung von Atommüll (Andra), von "unvorstellbaren Lügen", gar von Gewalt. Grund: Gonnot bei seiner Suche nach einem Endlager für Atommüll von vorne beginnen. Die beiden Gemeinden, die "Andra" Ende Juni als Standorte ausgewählt hatte, haben ihre Zustimmung widerrufen.

Dabei hatte alles nach einem Durchläufer ausgesehen. Gut 40 Bürgermeister hatten sich auf den Aufruf von Andra hin gemeldet und ihr Interesse bekundet, ein Endlager für schwach, aber mehrere hunderttausend Jahre strahlenden Atommüll in ihrem Zuständigkeitsbereich aufzunehmen. Es waren meist Rathauschefs von Mini-Gemeinden im strukturschwachen Nordosten Frankreichs. Dort, wo die Aussicht auf Ausgleichszahlungen für das freundliche Entgegenkommen bisher unfinanzierbare Träume plötzlich in greifbare Nähe rücken ließ: Ein paar neue Bürgersteige vielleicht, ein Sportplatz oder ein Seniorenheim. Schließlich war in den vergangen Jahrzehnten auch an den Standorten der inzwischen 58 französischen Kernkraftwerke praktisch über Nacht der Wohlstand ausgebrochen.

Die Bürgermeister hatten die Rechnung allerdings oft ohne die Bevölkerung gemacht. So wie Jean-Louis Caillet aus Auxon. "Wir sind eine arme Region, und das Endlager wäre eine einzigartige Möglichkeit zur Entwicklung gewesen", sagt er – noch immer fassungslos über den Widerstand. "Die jährlichen Einnahmen hätten sich auf 1,5 bis 2 Millionen Euro belaufen." Nach massiven Protesten der Bewohner musste Caillet eine außerordentliche Gemeinderatssitzung einberufen, bei der die Mehrheit der Lokalpolitiker ihr "Ja" zum Endlager rückgängig machte. Caillet reichte anschließend seinen Rücktritt ein.         Andra hatte die 1000-Seelen-Gemeinde Auxon im Département Aube zusammen mit dem nahe gelegenen 74 Einwohner zählenden Nest Pars-lès-Chavanges wegen ihrer geologischen Gegebenheiten für abschließende Untersuchungen ausgewählt. Bis Ende 2011 sollte die endgültige Entscheidung über den künftigen Standort getroffen werden. Das Endlager muss bis 2019 in 15 bis 200 Meter Tiefe errichtet werden. So sieht es ein Gesetz aus dem Jahr 2006 vor. Bis 2030 erwartet Andra knapp 152 000 Kubikmeter schwach, aber lange strahlenden Atommüll. Er stammt unter anderem von den Graphitummantelungen der Brennstäbe aus der ersten Generation von Atomkraftwerken und wird heute noch in den Kraftwerken selbst gelagert.

Nun wird die Zeit knapp, ein Endlager für Atommüll zu finden.

Quelle: RP

 
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