Ausbildungsreport des Gewerkschaftsbundes: Auch Azubis klagen über Überstunden
VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 14.09.2011 - 18:26"Arbeitgeber haben es selbst in der Hand, Fachkräfte zu qualifizieren", sagt Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende, bei der Vorstellung des Ausbildungsreports 2011. "Aber leider", so zieht sie ein Fazit, "sind die Probleme von Auszubildenden in den letzten Jahren nicht geringer geworden." Und der DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf ergänzt, obwohl die Arbeitnehmer zunehmend über Fachkräftemangel klagten, bemühten sie sich nur wenig um Besserung.
Es geht um Überstunden, es geht um schlechte Rahmenbedingungen und es geht auch um die Bezahlung. All das wird jedes Jahr in dem Report festgehalten. Besonders auffällig ist die Zahl der Überstunden, auch wenn es hier nur einen minimalen Anstieg im Vergleich zum vergangenen Jahr gab. Doch es zeigt, dass in der immer schneller werdenden Arbeitswelt, in der Überstunden scheinbar in vielen Betrieben zum Alltag geworden sind, auch die Azubis nicht ausgenommen sind.
Fast jeder Fünfte erhält keinen Ausgleich
Immerhin 40,6 Prozent der befragten Lehrlinge erklärten, dass sie Überstunden leisten müssen. Dabei stellte der DGB fest, dass die Zahl der Überstunden abnimmt, je größer der Betrieb ist. Eine ähnliche Rolle spielt die Größe auch bei der Ausbildungsqualität insgesamt.
Demnach können größere Unternehmen dank ihrer materiellen und personellen Ressourcen in der Regel eine strukturierte Ausbildung im vollen Umfang gewährleisten. Kleinere Betriebe dagegen würden ihre Auszubildenden überdurchschnittlich stark nach Auftragslage und weniger nach Ausbildungsplan in den alltäglichen Betriebsablauf einbinden.
Der Report des DGB stellt zudem fest, dass fast jeder fünfte Azubi weder eine Vergütung für die Überstunden, noch einen Freizeitausgleich erhält. Laut dem Gewerkschaftsbund würden auch nur wenige Auszubildende dagegen vorgehen, aus Angst, dann vielleicht nicht übernommen zu werden.
Gerade die Übernahmesituation ist ein weiterer Punkt, der vielen Auszubildenden Kopfschmerzen bereitet. Demnach wussten zum Zeitpunkt der Befragung zwei von drei Befragten aller Lehrjahre noch nicht, ob sie überhaupt von ihrem Betrieb nach der Ausbildung übernommen werden. Dabei klagen gerade die Betriebe immer wieder darüber, dass es eben einen zunehmenden Fachkräftemangel gibt. Andererseits sind viele Betriebe angesichts der Euro-Krise vorsichtig geworden, auch wenn derzeit die Konjunkturdaten gut aussehen. Doch Wirtschaftsexperten sagen schon seit Monaten voraus, dass dieser Boom nicht mehr lange anhalten wird.
Bankkaufleute im Ranking ganz oben
Besonders viele Beschwerden der Azubis gab es übrigens im Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes. Dort gebe es häufig einen rauen Umgangston, die Jugendlichen würden oft schlecht angeleitet, und auch die Überstunden seien hier ein Dauerzustand. Und so finden sich Hotel- und Restaurantfachkräfte nun schon im dritten Jahr auf Platz 24 und 25 im Ranking der Berufe wieder.
Starke Verschlechterungen gab es demnach aber noch in einem ganz anderen Bereich, dem der Medizinischen Fachangestellten. Der Beruf rutschte in dem Ranking von Platz sechs auf den 17. Rang ab. Positive Noten gab es dagegen für Bankkaufleute (Platz 1), Industriemechaniker (Platz 2) und Mechatroniker (Platz 3).
Wie auch im allgemeinen Berufsleben, so wird auch im Ausbildungsreport festgestellt, dass Frauen viel mehr benachteiligt werden als ihre männlichen Kollegen. Laut dem Bericht liegt das aber bei den Azubis vor allem an der Berufswahl selbst. Demnach gibt es in typischen Frauenberufen wie Bürokommunikation oft weniger Geld und weniger Urlaub.
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