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Verbraucher müssen den Gürtel enger schnallen: Auch Reisen, Strom und Öl werden teurer

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 01.08.2007 - 12:29

Düsseldorf (RP). Nach der angekündigten Preisexplosion bei Milchprodukten zeichnen sich deutlich höhere Preise für ein gutes Dutzend weiterer Waren ab. Dazu zählen vor allem Produkte des täglichen Bedarfs. Verbraucher müssen dann unter anderem für Fleisch, Brot und den Urlaub tiefer in die Tasche greifen.

Der Einzelhandel schlägt zurück. „Es ist eine Unverschämtheit, uns für die höheren Preise verantwortlich zu machen“, schimpft Verbands-Chef Hubertus Pellengahr gegen die Politik: Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) und einige Grünen- Politiker hatten den Supermärkten unterstellt, aus den drastischen Preiserhöhungen für Milch, Joghurt und Käse zusätzlich Profit schlagen zu wollen. Pellengahr sagte gegenüber unserer Redaktion: „Wir geben exakt das an Preiserhöhung weiter, was wir selber zubezahlen müssen. Die höheren Preise machen die Produzenten.“

Aber seit Dienstag ist klar: Milchprodukte sind nicht die einzige Warengruppe, die deutlich teurer wird. Auch bei Geflügelfleisch müssen die Verbraucher wegen der stark gestiegenen Getreidekosten für das Tierfutter mit höheren Preisen rechnen. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) bleibt wegen der boomenden Bioenergie- Erzeugung nämlich nur noch jeder zweite deutsche Acker für Getreide übrig. Deshalb stimmen inzwischen auch die Bäcker ihre Kunden auf höhere Preise ein. Außerdem kündigte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner in der „Passauer Neuen Presse“ höhere Preise für Rind- und Schweinefleisch an, was wiederum auf Wurstwaren durchschlagen wird. „Der Verbraucher muss sich daran gewöhnen, dass Nahrungsmittel teurer werden“, sagte Sonnleitner.

Nicht nur Nahrungsmittel. Pünktlich zu Ferienbeginn haben sich die Preise für Pauschalreisen um über 16 Prozent und die für Ferienwohnungen in Deutschland sogar um über 30 Prozent erhöht. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr erhöhte in Nordrhein-Westfalen die Ticketpreise im Nahverkehr um durchschnittlich vier Prozent. Und auch der gestern mal wieder gestiegene Ölpreis bedeutet für die Benzin-, Heiz- und Stromkosten nichts Gutes.

Entwarnung

Müssen die Verbraucher die brummende Konjunktur jetzt mit einer Geldentwertung bezahlen? Noch nicht, sagt die Statistik. Nach Destatis-Schätzungen kletterten die Preise auch im Juli nur um 1,9 Prozent und damit kaum mehr als im Schnitt der vergangenen Jahre. Zur guten alten D-Mark-Zeit lag die Inflationsrate im Extrem bei 5,1 Prozent (1992) – so hoch war sie seit Einführung des Euros nie. „Vieles von den Preiserhöhungen ist ein vorübergehender Saison- Effekt“, beruhigt Destatis-Experte Heinz-Peter Hannappel. Reisen und bestimmte Lebensmittel zum Beispiel würden regelmäßig zum Sommer hin teurer.

Trotzdem geht das Institut für Wirtschaft in Köln (IW) davon aus, dass zumindest Lebensmittel dauerhaft teurer werden. „Da findet eine Trendwende statt“, sagte IWExperte Manfred Jäger. Auch bei Dienstleistungen und energieintensiven Produkten rechnet das IW mit dauerhaft steigenden Preisen. Technische Produkte hingegen werden auf Sicht immer billiger: „Die Kostenvorteile der günstigen Produktion im Ausland kommen zunehmend bei den Kunden an“, so Jäger.


 
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