Eon: Auch Spaniens Regierung gegen Endesa-Übernahme
zuletzt aktualisiert: 22.02.2006 - 15:11Berlin/Madrid (rpo). Der deutsche Energiekonzern Eon stößt bei der geplanten Übernahme des spanischen Stromversorgers Endesa auf harten Widerstand. Neben der Konzernspitze des Unternehmens hat sich auch die spanische Regierung gegen die geplante Übernahme ausgesprochen.
Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero machte am Mittwoch in Madrid deutlich, dass seine Regierung einen Verkauf des größten nationalen Stromversorgers ins Ausland kritisch sieht. Zugleich versicherte er, dass die Regierung ihre "goldene Aktie" bei Endesa nicht für ein Veto nutzen wolle. Der Verwaltungsrat des spanischen Marktführers wiederum wies das Eon-Angebot als zu niedrig zurück.
Zapatero führte das "nationale Interesse" Spaniens in der Sache an. Seine Regierung will eigentlich einen spanischen Energieriesen von europäischem Gewicht schmieden: Madrid hatte bereits Anfang Februar dem spanischen Anbieter Gas Natural trotz Bedenken der nationalen Kartellbehörden die Übernahme von Endesa erlaubt. Das Problem ist nur, dass sich Endesa vehement gegen diese feindliche Übernahme wehrt. Von dem Eon-Vorstoß war die spanische Regierung dann offenbar überrascht worden. Zapatero wurde erst am Vorabend der am Dienstag veröffentlichten Offerte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) informiert. Weitere Gespräche dieser Art seien derzeit nicht geplant, sagte ein Regierungssprecher am Mittwoch in Berlin. Es handele sich aus Sicht der Bundesregierung um eine rein unternehmerische Entscheidung.
Strategisch wichtiger Wirtschaftszweig
Schon in einem Gespräch mit Eon-Chef Wulf Bernotat am Dienstagabend hatte Zapatero die Vorbehalte seiner Regierung gegen die deutsche Übernahme des spanischen Konzerns deutlich gemacht. Nach Angaben aus Regierungskreisen argumentierte der Ministerpräsident, dass strategisch wichtige Wirtschaftszweige wie der Energiesektor unter spanischer Kontrolle bleiben sollten.
Zugleich versicherte Zapatero, er habe nicht vor, seine aktienrechtlichen Möglichkeiten für ein Veto zu nutzen. Theoretisch könnte Madrid mit Hilfe seiner "goldenen Aktie" die Übernahme des ehemaligen Staatskonzerns Endesa verhindern. Tatsächlich aber hat die spanische Regierung auf Druck der EU bereits ein Gesetz veranschiedet, das das Ende der "goldenen Aktie" vorsieht. Es ist allerdings noch nicht vom Parlament verabschiedet. Auch die EU-Kommission warnte die spanische Regierung davor, das Instrument einzusetzen, das unvereinbar mit EU-Recht sei.
Auch Endesa zeigte sich entgegen der Erwartungen von Bernotat wenig erfreut über die Eon-Pläne. Die gebotene Kaufsumme entspreche nicht dem tatsächlichen Wert des Unternehmens, erklärte der Verwaltungsrat am Dienstagabend. Zugleich begrüßte das Gremium, dass Eon in seinen Plänen keine Zerschlagung von Endesa vorsehe. Nach Angaben von Bernotat hatte es vor Bekanntgabe der Offerte zahlreiche Gespräche in positiver Atmosphäre gegeben.
Das Düsseldorfer Unternehmen Eon hatte am Dienstag 29,1 Milliarden Euro für den spanischen Marktführer geboten, fast sieben Milliarden Euro mehr als Gas Natural. Der ehemalige Staatskonzern Endesa ist der größte Stromversorger Spaniens und die Nummer fünf in Europa. Eon würde mit der Übernahme zum größten Strom- und Gasanbieter der Welt aufsteigen.
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