Nach E.ON: Auch Thyssengas zahlte Stadträten Reisen
zuletzt aktualisiert: 21.01.2006 - 10:35München (rpo). Die Affäre um von E.ON Ruhrgas gesponserte Reisen für Lokalpolitiker zieht offenbar weitere Kreise. Wie der "Focus" unter Berufung auf die Kölner Staatsanwaltschaft berichtet, hat auch die RWE-Tochter Thyssengas Stadt- und Kreisräten, die in den Aufsichtsräten kommunaler Energieversorger sitzen, Luxus-Reisen bezahlt.
Der Sprecherin zufolge wolle der Konzern eng mit den Strafermittlungsbehörden zusammenarbeiten. Ob und gegen wie viele Beschuldigte von Thyssengas ermittelt werde, sei derzeit noch nicht bekannt. Zudem sei für den RWE-Konzern eine interne Prüfung der gesamten Reisetätigkeit veranlasst worden. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, sei dies ein klarer Verstoß gegen den von RWE herausgegebenen "Code of Conduct", unterstrich die Sprecherin. Dieses Regelwerk war im Zuge der Gehalts-Affären um die beiden CDU-Politiker Laurenz Meyer und Hermann-Josef Arentz konzernweit eingeführt worden.
Im Zusammenhang mit von E.ON Ruhrgas gesponserten Reisen ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft gegen rund 150 nordrhein-westfälische Kommunalpolitiker wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. Die Politiker sollen als Aufsichtsratsmitglieder von 28 Stadtwerken und kommunalen Energieunternehmen an Reisen teilgenommen haben, die der Gas-Konzern bezahlt haben soll. Ermittelt wird auch gegen mehrere Geschäftsführer dieser Unternehmen und gegen fünf Beschäftigte von E.ON Ruhrgas.
In einem Schreiben an seine Stadtwerke-Kunden wies E.ON Ruhrgas derweil die Vorwürfe zurück. Laut der in Essen erscheinenden "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung" (Samstagausgabe) handelte es sich bei den Reisen primär um "die Besichtigung von Bohrplattformen und Betriebsstätten sowie Vortragsveranstaltungen im In- und Ausland". Der "Verdacht der Vorteilsgewährung" sei deshalb "nicht begründet", hieß es.
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