ThyssenKrupp: Aufsichtsrat berät über Null-Dividende
VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 12.11.2009 - 16:47Düsseldorf (RP). Mit einem Vorsteuer-Minus von 2.364.000.000 Euro übertrifft der Dax-Riese alle Befürchtungen bislang war ein Verlust von höchstens zwei Milliarden erwartet worden. Erstmals wackelt bei ThyssenKrupp die Dividende.
Der Düsseldorfer Dax-Riese ThyssenKrupp wird in zwei Wochen ein Vorsteuer-Minus von 2,364 Milliarden Euro bekannt geben. Das erfuhr unsere Zeitung gestern aus Kreisen des Aufsichtsrates. Bislang hatte ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz ein Ergebnisminus von knapp zwei Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Offiziell wollte der Stahl- und Industriegüterkonzern die neue Zahl gestern unter Verweis auf die ausstehende Bilanz-Pressekonferenz am 27. November nicht kommentieren.
Wie unsere Redaktion weiter erfuhr, wird der Aufsichtsrat von ThyssenKrupp einen Tag vor dieser Pressekonferenz morgens in der Essener Villa Hügel über die Dividendenausschüttung für das Geschäftsjahr 2008/08 beraten. Obwohl ThyssenKrupp sich derzeit in der schwersten Krise seit seinem Bestehen befindet und massive Liquiditätsprobleme hat, hatte Berthold Beitz bislang stets auf die Zahlung einer Dividende gepocht. Beitz ist Chef der Alfried-Krupp-Stiftung, die mit einem Anteil von 25,33 Prozent wichtigster Einzelaktionär bei ThyssenKrupp ist. Der Aufsichtsrat wird darüber debattieren, ob der Konzern angesichts der desaströsen Lage erstmals seit der Fusion von Thyssen und Krupp keine Dividende ausschütten soll.
Ein wesentlicher Grund für die neuerliche Ausweitung der ThyssenKrupp-Verluste sind weitere Verzögerungen bei der Fertigstellung des neuen ThyssenKrupp-Stahlwerks in Brasilien. Ursprünglich sollte Brasilien die ThyssenKrupp-Stahlwerke in Alabama und Duisburg mit Brammen versorgen. Da sich die Inbetriebnahme von Brasilien weiter verzögert, wird jetzt Duisburg Alabama beliefern müssen, was zu deutlich höheren Anlaufkosten in Alabama führen wird. Der Umsatz wird laut Analystenschätzungen von 53,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf rund 40 Milliarden Euro zurückgehen.
Laut „Manager Magazin” wird Schulz 1,7 Milliarden Euro des Vorsteuer-Verlustes als Einmaleffekt ausweisen, etwa in Form von Abschreibungen auf Lagerbestände und Kosten für den Konzernumbau. Etwa eine halbe Milliarde Euro des Fehlbetrages kam allein durch die griechische Werft Hellenic Shipyards zustande, die zwei U-Boote an Griechenland geliefert hat. Griechenland verweigert unter Verweis auf Qualitätsmängel die Zahlung und blockiert zudem den Verkauf der Werft.
Im Rahmen eines radikalen Konzernumbaus hat ThyssenKrupp soeben die bisher fünf Sparten mit je eigenem Vorstand und Aufsichtsrat in acht „business areas” aufgelöst, um Zwischenebenen einzusparen. Wegen des Abbaus von Stellen und umfassender Verkäufe werden internen Planungen zufolge bei ThyssenKrupp im nächsten Jahr nur noch 167.000 Menschen arbeiten – das sind 33.000 weniger als im vergangenen Jahr. Betriebsbedingte Kündigungen hat Ekkehard Schulz , der bis Januar 2011 im Amt bleiben will, bislang ausgeschlossen.
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