Siemens: Aufsichtsrat berät über Schadenersatzklage gegen Ex-Vorstände
zuletzt aktualisiert: 29.07.2008 - 10:30München (RPO). Im Siemens-Schmiergeldskandal berät der Aufsichtsrat des Technologiekonzerns am Dienstag über mögliche Schadenersatzforderungen gegen die ehemalige Unternehmensführung. Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, will sich das Kontrollgremium mit Klagen gegen frühere Vorstände befassen, darunter auch die beiden ehemaligen Siemens-Chefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld.
Ein Siemens-Sprecher erklärte, der Konzern habe in der Vergangenheit immer betont, das Schadenersatzsprüche in Zusammenhang mit Compliance-Themen geprüft würden.
Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt sieht durch eine mögliche Schadenersatzklage den Druck auf Topmanager erhöht. "Solche Klagen wie auch die Siemens-Affäre insgesamt haben eine Signalwirkung für die deutsche Wirtschaft", sagte die Anwältin von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem "Tagesspiegel".
"Der Fall zeigt, was korrupte Manager in deutschen Unternehmen in Zukunft zu erwarten haben." Korruption in ähnlicher Größenordnung werde nach der "Ära Siemens" nie mehr hinter verschlossenen Türen, sondern immer in der Öffentlichkeit verhandelt. Die Aktionärsschützerin erwartet zudem, dass Unternehmen in Zukunft mehr für Haftpflichtversicherungen für Vorstandsmitglieder zahlen müssen.
Bergdolt erwartet dem Blatt zufolge zudem, dass Unternehmen in Zukunft mehr für sogenannte D&O-Versicherungen, also Haftpflichtversicherungen für Mitglieder des Vorstandes, zahlen müssen.
Im Siemens-Schmiergeldskandal war am Montag vor dem Münchner Landgericht ein erstes Urteil gefallen. Ein Ex-Direktor des Konzerns erhielt wegen Untreue eine Bewährungs- und Geldstrafe. In seiner Urteilsbegründung kritisierte der Richter auch scharf das Verhalten ehemaliger Vorstände und das über Jahre hinweg lückenhafte Kontrollsystem des Konzerns.
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