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Aus von Huthersteller Borsalino
Ende Legende

Aus von Huthersteller Borsalino: Ende Legende
1970 erschien mit "Borsalino" sogar ein Film, der den Namen des legendären Hutherstellers trägt. Alain Delon und Jean-Paul Belmondo spielen darin zwei Kleinganoven - natürlich mit Hut. FOTO: dpa
Rom/Kleve. Schauspieler wie Humphrey Bogart und Alain Delon machten ihn weltberühmt. Nun ist der italienische Huthersteller Borsalino nach 160 Jahren Firmengeschichte pleite. Von Florian Rinke

Es gibt Filme, die man anhand eines einzigen Requisits erkennt - zum Beispiel an einem Hut. Wenn Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann in "Casablanca" auf dem nebligen Rollfeld stehen, dann gehört Bogarts Hut genauso dazu wie dieser Satz: "Uns bleibt immer noch Paris". Die Zeile ist legendär, die Kopfbedeckung auch.

Denn Bogart trug einen Borsalino, den Inbegriff des klassischen eleganten Herrenhutes. Er trug ihn ebenso wie sein Schauspielkollege Alain Delon, der sogar in einem Film mitspielte, der den Namen des Hutes trug. Es ging um Kleinganoven, die sich stilecht mit Borsalino zeigten, immerhin erkannte man daran auch echte Mafiagrößen wie Al Capone. "Den Zauber macht aus, dass der Borsalino so oft in Filmen getragen wurde", sagt Christoph Dreis, Inhaber des gleichnamigen Hutfachgeschäfts in Kleve.

130 Mitarbeiter arbeitslos

Doch nun droht der Legende das Aus: Der italienische Huthersteller ist nach 160 Jahren pleite. Am Montag wies ein Gericht den Antrag auf ein Vergleichverfahren des Investors Haeres Equita zurück. Rund 130 Mitarbeiter schauen nun in eine ungewisse Zukunft.

Der Niedergang kam nicht über Nacht, sondern schleichend. Denn das Traditionsunternehmen mit Sitz in Alessandria östlich von Turin steckt schon seit Jahren in der Krise. Denn der Modegeschmack ändert sich. Längst trägt nicht jeder Mann mehr einen Hut, wenn er das Haus verlässt - und erst recht nicht jeder Mafiosi. Und natürlich gibt es auch heute bekannte Hut-Träger, Udo Lindenberg zum Beispiel oder den verstorbenen Roger Cicero. "Doch die verbindet man nicht mit Borsalino", sagt Andreas Voigtländer, Vorsitzender der Gemeinschaft Deutscher Hutfachgeschäfte. Der Marke sei es nicht gelungen, in den hippen Bereich zu kommen.

Stattdessen blieben die vergleichsweise teuren Hüte ein besonderes Accessoire für jene, die sich damit abheben wollten - einen Borsalino erkennt man eben genauso wie Taschen von Louis Vuitton oder Schals von Burberry. Heute zählt das Unternehmen Johnny Depp, Leonardo Di Caprio, Denzel Washington, Justin Timberlake und Kate Moss zu seinen Kunden. Und auch in der jüdischen Gemeinde ist das Stück beliebt. "Jeder Rabbi, der etwas auf sich hält, trägt Borsalino - auch heute noch", sagt Voigtländer.

 "Es gibt Arbeit, es gibt Aufträge" 

Laut Maria Iennaco von der Gewerkschaft Cgil gibt es deswegen auch kein Nachfrage-Problem: "Es gibt Arbeit, es gibt Aufträge." Das Geschäft sei im Kern gesund. Vielmehr scheinen hausgemachte Probleme das Unternehmen in die Krise geführt zu haben. Denn das 1857 von Giuseppe Borsalino gegründete Unternehmen, geriet zuletzt durch das dubiose Finanzgebaren des einstigen Inhabers Marco Marenco in die Schlagzeilen und häufte hohe Schulden an. Auch der seit 2015 agierende Investor Haeres Equita konnte es offenbar nicht retten.

Haeres Equita kündigte an, die Produktion solle vorerst weitergehen. "Wir werden weiter nach Lösungen suchen", hieß es in einer Mitteilung. Auch Andreas Voigtländer glaubt an eine Lösung: "Die Marke Borsalino hat immer noch Strahlkraft, ich kann mir nicht vorstellen, dass sie vom Markt verschwindet. Irgendjemand wird die Marke retten. Das haben wir auch bei Stetson erlebt."

Denn selbst das Modell "Bogart", wie der bis zu 399 Euro teure Hut aus Kaninchenhaar mit der 7,5 Zentimeter breiten Krempe, noch heute heißt, finde noch seine Kunden: "Der klassische Borsalino ist kein Massenartikel, trotzdem brauche ich jedes Jahr neue", sagt Voigtländer.

Quelle: RP
 
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