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| 12.46 Uhr

Stromriese
Ausnahmezustand bei RWE

RWE: Umweltschützer sorgen für Tumulte
RWE: Umweltschützer sorgen für Tumulte FOTO: dpa, ve soe
Essen. Die Hauptversammlung des Stromkonzerns ist von Tumulten begleitet. Umweltschützer demonstrieren gegen die Kohle-Verstromung. RWE-Chef Terium sieht die Kraftwerke im Ausnahmezustand. Er fordert staatlich organisierte Hilfe. Von Antje Höning

Die Zeichen bei RWE stehen auf Krach. Begleitet von Tumulten startete am Mittwochmorgen die Hauptversammlung in der Essener Grugahalle. Kaum hatte RWE-Chef Peter Terium begonnen zu reden, versuchten Umweltschützer, die Bühne zu stürmen. Sie skandierten: "Schützt Natur und Welt, es gibt wichtigeres als Geld." Sie hissten Plakate wie "Köln raus aus RWE." Es dauerte, bis Sicherheitskräfte die Lage im Griff hatten.

Das Aktionärstreffen war von einem großen Aufgebot an Security begleitet. Schon der Eingang zur Halle war von einer Polizeikette gesäumt, an der die Aktionäre vorbei mussten. Ein Aktivist von "Robin Wood" sei zuvor eine Säule des RWE-Towers hochgeklettert, teilte die Umweltschutzorganisation mit. In zehn Meter Höhe habe er zwei Banner mit den Aufschriften "Kohle killt Klima" und "Verstrahlt, verkohlt, pleite" entrollt. Die Polizei nahm ihn und andere Aktivisten in Gewahrsam.

Terium nahm die Proteste gelassen: "Ich habe auch Kinder im protestfähigen Alter", und fügte dann hinzu: "Aber die sind bei der Arbeit oder in der Schule." Vor einem Jahr hatte der Niederländer noch mit seinen Kollegen eine Art Vorstandsballett aufgeführt, um Teamgeist und den Aufbruch in die digitale Welt zu demonstrieren. Jetzt, ein rote Bilanz später, setzte Terium auf eine One-Man-Show, um sich als Retter des Konzern zu präsentieren. Nach dem geplanten Börsengang der Tochter (Newco), in die zukunftsfähige Geschäfte wie Netze, Vertrieb und Ökostrom gehen, wird Terium Newco-Chef. Daher war es seine letzte Hauptversammlung als RWE-Chef.

Die finanzielle Situation bei RWE ist angespannt 

Terium beschrieb die düstere Lage des Konzerns – um dann abermals staatlich organisierte Hilfe zu fordern. "Der Einbruch des Börsenstrompreise bedeutet Ausnahmezustand für unser traditionelles Kerngeschäft", sagte Terium. Wenn die Preise, die binnen fünf Jahren von 60 Euro je Megawattstunde auf 20 Euro abgestürzt sind, so niedrig blieben, werde die konventionelle Stromerzeugung kollabieren. "Die Versorgungssicherheit in Deutschland wäre in höchster Gefahr." Die Bundesregierung müsse handeln. "Es führt kein Weg an einem Kapazitätsmarkt vorbei".

Das heißt: Der Stromkunde soll zusätzlich für Kraftwerke zahlen, die nur als Sicherheitsreserve dienen. Terium räumte auch ein: "Wir haben nicht viel Zeit. Unserer finanzielle Situation ist angespannt." Die Rating-Agenturen drohen bereits mit einer Herabstufung der Bonitätsnote, dadurch würden Kredite deutlich teurer als bisher. "Eine Herabstufung des Ratings ist wahrscheinlich", so der Vorstandschef.

Kommunen einigen sich nicht auf einheitliche Linie 

Aber auch mit den kommunalen Aktionären, die insgesamt 25 Prozent an RWE halten, gibt es weiter Streit. Die Kommunen hatten sich am Vortag nicht auf eine einheitliche Linie einigen können. Einige wollten gegen den Vorstand stimmen, wie Ernst Gerlach, Chef des Verbands kommunaler Aktionäre (VKA), im WDR ankündigte. Die Kommunen kritisieren, dass RWE für 2015 die Dividende komplett streichen will. Terium versprach, RWE grüner, und effizienter zu machen. Der Ökostrom knacke gerade die Zehn-Prozent-Marke. Allerdings nur auf dem Papier bei den Kapazitäten: Der Anteil des Ökostroms am tatsächlich erzeugten Strom beträgt nur maue fünf Prozent.

Marc Tüngler, Aktionärsschützer der DSW, sagte: "Nur eine Abspaltung macht den Konzern nicht schön." Das Warten auf den Kapazitätsmarkt werde in einer Sackgasse enden. Der Dividenden-Ausfall schmerze, aber RWE könne nicht länger aus der Substanz leben. Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, sieht RWE mit dem Rücken zur Wand. Auch er begrüßte das Dividenden-Aus, mahnte Terium aber, die Kommunen nicht länger vor den Kopf zu stoßen, sie seien ein Ankeraktionär und hätten RWE vor manchem Abenteuer bewahrt. Selbst Speich, das Gegenteil von einem Umweltaktivisten, mahnte, mehr zur Senkung der Kohlendioxid-Emissionen zu tun. "RWE ist der größter CO2-Emittent in Europa, ein trauriger Rekord."

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