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Diplomatische Spannungen
"Große Verlierer sind die Türken"

Außenhandelspräsident Anton Börner: "Große Verlierer sind die Türken"
Jubelnde Türken ein Jahr nach der Revolution. (Archiv) FOTO: dpa, LP joh pat
Düsseldorf. Außenhandelspräsident Anton Börner hält die harten Töne Bundesregierung gegenüber der Türkei für "völlig stimmig". Deutsche Unternehmen müssten sich jetzt umorientieren und dem Land den Rücken kehren. Von Birgit Marschall

Unterstützen Sie die härtere Gangart der Bundesregierung gegenüber der Türkei?

Börner Unbedingt, auch wenn wir nicht begeistert sind, wenn in den Außenhandel eingegriffen wird. Verschärfte Reisehinweise, Überprüfung staatlicher Bürgschaften für Türkei-Geschäfte – das ist aus Sicht der Politik völlig stimmig und logisch. Sie muss reagieren. Wir dürfen uns nicht selber aufgeben. Wir dürfen unsere demokratischen Überzeugungen und Errungenschaften nicht über Bord werfen, nur weil da jemand in Ankara durchdreht. Ich bin sicher, das ist jetzt noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Was ist als deutsche Reaktion auf Erdogan noch denkbar?

Börner Der nächste Schritt werden erst einmal Gespräche der gesamten EU mit der Türkei sein. Die Logik des politischen Spiels lässt aber erwarten, dass die Türkei Gegenmaßnahmen androhen wird – und wir darauf dann mit weiteren Schritten reagieren werden.

Wer wird durch diese Sanktionsspirale stärker beeinträchtigt, die Türkei oder wir?

Börner Die Türkei hat als kleinere und weniger verflochtene Volkswirtschaft nicht die Möglichkeit, die deutsche Wirtschaft als Ganzes wirklich nennenswert zu treffen. Dieses Hochschaukeln in den Beziehungen schadet ausschließlich der türkischen Wirtschaft und insbesondere der türkischen Bevölkerung. Die Arbeitslosigkeit in der Türkei wird deutlich steigen. Die Inflation nimmt bereits zu und damit die Unzufriedenheit im Land. Der Tourismus in der Türkei droht zusammenzubrechen, und die ausländischen Neu-Investitionen zu versiegen. Die große Verliererin in diesem Spiel ist die türkische Bevölkerung.

Wie wird Erdogan darauf reagieren?

Börner Mit Schuldzuweisungen gegen den Westen: Er wird behaupten, Schuld an der Misere seien allein Deutschland und die Europäer.

Die Türkei galt bis jetzt als Schwellenland mit hohem Wachstumspotenzial. Ist es nicht schlecht für uns, wenn wir uns da zurückziehen?

Börner Ja, klar, ist das schade. Aber seit einem Jahr ist die Türkei dabei, sich die Zukunftschancen zu verspielen. Dagegen können wir nichts tun. Jemand, der unbedingt seinen Machtbedürfnissen frönen will, den kann man kaum stoppen. Das wissen wir aus historischer Erfahrung.

Was raten Sie deutschen Exporteuren im Türkei-Geschäft?

Börner Was wir jetzt erleben, kommt ja nicht von heute auf morgen. Darauf konnten und mussten sich Unternehmen vorbereiten. Da muss man sich eben neu orientieren. Eines ist ganz sicher: Die deutschen Investitionen werden weiter zurückgefahren. Bestehende Geschäfte und Produktionsstätten werden weiter geführt, solange es geht und solange die andere Seite bezahlt. Von der früheren Wachstumseuphorie ist aber nichts mehr übrig geblieben. Die Risiken im Türkei-Geschäft nehmen deutlich zu.

Was sagen Sie dazu, dass Erdogan deutsche Unternehmen wie BASF oder Daimler unter Terrorverdacht stellt?

Börner Das ist total absurd. Herrn Erdogan treibt nur noch die blanke Angst um seine Macht an.    

Das Interview führte Birgit Marschall.  

(mar)
 
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